Wappen von Bad Godesberg
VHH
Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V.

Muffendorf

(Alphabetische Aufzählung der Ortsteile und Straßen. * = Infotafel geplant, ** = Infotafel vorhanden. Jeweilige Nr. im „Spaziergang durch Muffendorf“ ist vermerkt)

Muffendorf liegt am Hang des Lyngsbergs. Von dort aus hat man einen phantastischen Ausblick auf das gegenüber liegende Siebengebirge. Die erste urkundliche Erwähnung „Moffendurp“ stammt aus dem Jahre 888. Römische Funde zeigen jedoch eine viel frühere Besiedelung. Das alte Dorf wird durch seine Fachwerksgehöfte, die Kommende und die alte Kirche St. Martin geprägt. Das Dorf lebte bis gegen das Ende des 19. Jahrhunderts vom Weinanbau. Wegen der Reblaus musste er dann durch Pfirsichanbau ersetzt wurde. Inzwischen hat die Landwirtschaft keine Bedeutung mehr. Auf fast allen freien Flächen stehen inzwischen Häuser. In Muffendorf leben etwa 3.600 Einwohner.

Gringstraße (zwischen Muffendorfer Hauptstraße und Deutschherrenstraße)

Muffendorfer Kelterhaus**, Hausnr. 3 und 5 (Nr. 3 im Spaziergang) Über den Weinbau in Muffendorf berichtet bereits eine Urkunde von 1270. Statt des ursprünglich roten Spätburgunders wurde später roter Frühburgunder angebaut. Denn diese Sorte reift hier besser. Ende des 19. Jahrhunderts beendete die Reblaus den Weinbau fast völlig. Stattdessen wurde Obst, insbesondere Pfirsiche angebaut. Auf Initiative der Eigentümer des Kelterhauses wird seit 1972 in Muffendorf wieder Wein angebaut und gekeltert. Inzwischen ist es roter „Regent mit der Lagebezeichnung „Muffendorfer Klosterberg“. Dazu wurden auch die Weingärten hinter dem Kelterhaus und vor dem Siegburger Hof angelegt. Das Kelterhaus stammt aus dem 19. Jahrhundert. Es hatte zu ebener Erde die Weinpresse. Außerdem besitzt es noch einen Weinkeller. Das zur Straße gelegene Gebäude mit dem Einfahrtstor war ein Wohngebäude, ebenso die rechts und links vor der Kelter liegenden Fachwerkhäuser. All diese Häuser stammen aus dem 18. Jahrhundert.

Hopmannstraße (zwischen Muffendorfer Straße und Am Gäßchen)

Kleine Beethovenhalle*, Hausnr. 22, (Nr. 2 im Spaziergang) Die Halle wurde 1896 durch Wilhelm Weinreis für den Gastwirt Mathias Schneider errichtet. Dieser nannte sie „Kaiserhalle“.  Später wurde sie aber meist nach dem jeweiligen Betreiber benannt. Gegen Ende des 20. Jahrhunderts bürgerte sich der Name „Kleine Beethovenhalle“ ein. Denn in ihrer Bauweise und ihrer guten Akustik erinnerte sie an die 1944 zerstörte Bonner Beethovenhalle. Die Halle besteht aus einem höheren Mittelschiff. Dessen Oberfenster sorgen für die gute Beleuchtung. Zusammen mit zwei niedrigeren Seitenschiffen hat sie einen Grundriss wie eine Basilika. Das Mittelschiff ist 8 Meter breit und 9 Meter hoch. Die offene Deckenkonstruktion wird von insgesamt 12 Holzpfosten in zwei Reihen getragen. Im westlichen Teil wurde eine große Sängerempore eingebaut. Später kam eine Bühne hinzu. 1990 wurde das denkmalgeschützte Gebäude restauriert. Zusätzlich wurde ein Eingangsgebäude angebaut. (Zur Geschichte der Kleinen Beethovenhalle siehe Godesberger Heimatblätter Band 28, Seiten 138–154.)

Klosterbergstraße (zwischen Goldbergweg/Muffendorfer Straße und Muffendorfer Hauptstraße)

St. Martinskirche**, Hausnr. 6 (Nr. 9 im Spaziergang) Die St. Martinskirche wurde im neugotischen Stil gebaut. Den Bau plante der Bonner Baumeister Anton Becker. Die dreischiffige Kirche wurde 1895 geweiht. Aus der Alt-St. Martinskirche wurde eine Glocke von 1514 übernommen. Auch eine Beweinungsgruppe wurde in die neue Marinskirche umgesetzt. Sie entstand um 1500 und zeigt Maria mit dem toten Jesus, ihrer Mutter Anna, Maria Magdalena und Johannes. Die Turmhalle wurde 1960 von dem expressionistischen Kirchenmaler Peter Hecker (1884-1971) gestaltet. Ihre Ausstattung als Sieben-Schmerzen-Kapelle erinnert an die Toten der beiden Weltkriege. 1967 wurde die 55 Jahre alte Stahlhut-Orgel ersetzt. Stattdessen wurde eine Orgel aus der Bonner Werkstatt Klais eingebaut. Die Ausstattung wurde 1983 um Altar und Ambo (Lesepult) ergänzt; 1987 kam ein Kreuzweg aus Tonkeramik hinzu. 2012 wurde die Kirche saniert. Das Ergebnis wurde sehr gelobt.

Martinstraße (zwischen Steingasse und Muffendorfer Hauptstraße)

Malerwinkel**, Hausnr. 3 und 5 (Nr. 6 im Spaziergang) Zwischen den beiden schmalen Fachwerkhäusern und durch den Torbogen zu der Alt-St. Martinskirche ist ein einmalig schöner Blick möglich. Die vielfältig gestaffelten Bauten waren schon früh ein beliebtes Motiv für Maler. Daher wird dieser Platz „Malerwinkel“ genannt. Das linke Haus ist bereits in dem Atlas von Mathias Ehmann aus dem Jahre 1759 dargestellt. Damals war das Haus noch eingeschossig. Darin war die erste Muffendorfer Schule untergebracht. Der kleine Schulraum diente gleichzeitig als Wohnraum des Lehrers. Der war gleichzeitig der Küster. Das rechte Haus wurde erst im 19. Jh. gebaut. Es wurde in dieser Zeit zusammen mit dem linken Haus aufgestockt. Trotz verschiedener Renovierungen haben beide Häuser noch das alte konstruktive Gefüge. Der hintere Giebel des linken Hauses steht auf der Kirchhofmauer. (Zur Geschichte der Häuser siehe Godesberger Heimatblätter Band 25, Seiten 118–120.)

Siegburger Hof**, Hausnr. 12 (Nr. 5 im Spaziergang) Der Hof war Teil des Muffendorfer Königsgutes. Dessen Einkünfte wurden durch König Lothar II. zu einem 9. Teil (Nona) dem Marienstift in Aachen übertragen. Dies wurde in der ältesten überlieferten Urkunde zu Muffendorf aus dem Jahr 888 bestätigt. Erzbischof Anno II. von Köln überließ den Hof der Siegburger Benediktinerabtei, die er 1064 gegründet hatte. Der Hof wurde für die rechtsrheinische Abtei das Verwaltungszentrum für ihren umfangreichen linksrheinischen Besitz. Zum Hof gehörten Acker- und Weinbauland, die Wattendorfer Mühle und Nutzungsrechte am Kottenforst. Der Siegburger Hof wurde während der Franzosenzeit 1804 zu Gunsten des Staates privatisiert. Den Verkauf in private Hände teilte er damals mit vielem kirchlichen Eigentum. Nach 1968 wurde der Hof stilgerecht renoviert. Am Hang vor dem Haus legte die Familie Diederichs 1972 einen Weinberg an. Er erinnert an das frühere Aussehen des Dorfes.
(Zur Geschichte des Siegburger Hofs s. Godesberger Heimatblätter 25, S. 29–35.)

Alt-St. Martinskirche**, Hausnr. 7 (Nr. 7 im Spaziergang) Die Kirche wurde erstmals im Jahre 913 urkundlich genannt. Sie steht vermutlich über Resten eines römischen Tempels. Der war der Göttin Diana geweiht war. Ein entsprechender Weihestein aus dem 2. Jahrhundert war in einem Seitenaltar der Kirche eingemauert. (Eine Nachbildung des Weihesteins steht am Treppenabgang zum Remi-Baert-Platz.) Bis zum Anfang des 13. Jahrhunderts stand hier eine Saalkirche. Sie wurde dann durch einen zweischiffigen Neubau mit romanischer Apsis ersetzt. Die Kirche wurde 1635 und 1746 erweitert. Bei einer Restaurierung im Jahr 1911 wurde die Ausstattung des 17. und 18. Jahrhunderts beseitigt. Stattdessen wurde der ursprünglich romanischen Zustandes wieder hergestellt. Auch nach dem Bau der neuen St. Martinskirche 1895 wird die Kirche weiter als Tauf-, Hochzeits- und Friedhofskapelle genutzt. Darüber hinaus finden hier Kunstausstellungen und Konzerte statt. (Zur Geschichte der Kirche siehe Herbert Strack, Die alte Sankt-Martins-Kirche zu Muffendorf, VHH 1999.)

Muffendorfer Hauptstraße (zwischen Bürvigstraße/Waasemstraße und Benngasse/Lyngsbergstraße)

Gaststätte mit Tanzsaal (Schneider-Rausch) *, Hausnr. 22 (Nr. 1 im Spaziergang)
Zum Ende des 19. Jh. waren Gaststätten der wichtigste Ort, um Neuigkeiten auszutauschen sowie Geselligkeit und Gemeinschaft zu pflegen. Der Wirt Mathias Schneider hatte 1879 sein Haus um ein Stockwerk in Fachwerkbauweise erhöht und dort einen Tanzsaal eingerichtet. Dieser Saal wurde auch für andere Veranstaltungen genutzt. Der Wirt der schräg gegenüber liegenden Gaststätte „Post“ errichtete 1896 einen größeren Tanzsaai. Daraufhin baute Schneider gleichzeitig auf seinem hinteren Grundstück die „Kaiserhalle“, nun „Kleine „Beethovenhalle“ genannt. Diese war von der oberen Hopmannstraße zugänglich.
Ursprünglich bestand das Gebäude aus drei Häusern. Das ist auch heute noch an dem unterschiedlichen Fachwerk und an den verschieden ausgerichteten Giebeln erkennbar. Das Gast- und Wohnhaus hat seitliche Giebel, und seine Traufe (Tropfkante) liegt an der Straße. Dagegen hat das linke Haus seinen Giebel zur Straße. (Zur Geschichte der Gaststätte siehe Godesberger Heimatblätter Band 28, S. 138–154)

Weinhaus Muffendorf*, Hausnr. 37 (Nr. 3 im Spaziergang)

Auf beiden Seiten der Muffendorfer Hauptstraße stehen ganz unterschiedliche Fachwerkhäuser. Das macht ihren besonderen Reiz aus. Dort stehen einige große Gehöfte reicher Bauern. Gleich daneben stehen kleine Häuschen, die früher für die Familie eines Landarbeiters ausreichen mussten. Die Binnenhöfe der größeren Gehöfte sind zur Straße geschlossen. Dadurch bilden sie geschützte Flächen. Mache Höfe werden von bis zu vier Gebäuden (Flügeln) umsäumt. Die Giebel einiger Häuser sind zur Straße ausgerichtet. Andere Häuser haben an der Straßenfront die Traufe (Tropfkante), und ihre Giebel liegen seitlich.
Das Weinhaus Muffendorf ist ein früheres Wohnhaus, das mit einem kleinen Häuschen vereinigt wurde. Dazu gehören an beiden Seiten ganz unterschiedliche Höfe. Der enge Flur und die niedrige, verwinkelte Gaststube mit Kamin versetzen den Besucher um mehr als 100 Jahre zurück.

Muffendorfer Kommende*, Hausnr. 57–89 (Nr. 5 im Spaziergang)
Der Deutsche Orden baute hier um 1280 eine Niederlassung (Kommende). Der Orden war von Kreuzfahrern 1190 zunächst als Spitalorden gegründet worden. Kurz darauf wurde er ein geistlicher Ritterorden. Im 13. Jh. errichtete der Orden im Baltikum sogar einen eigenen Staat. Die Kommenden dienten zur Verwaltung des Besitzes und als Unterkunft für die Mitglieder. Um 1720 wurde in Muffendorf ein neues Haupthaus gebaut. In seiner Gliederung und Bausubstanz stimmt es weitgehend mit dem Mittelteil des heutigen Haupthauses überein. Die niedrigeren Hausreihen waren Wirtschafts- und Gesindegebäude. In der Franzosenzeit ging das meiste geistliche und kirchliche Gut an den Staat über (Säkularisation). So erging es 1803 auch der Kommende. Bis 1999 diente die Kommende als Residenz des belgischen Botschafters. Dann wurde sie bis 2009 denkmalsgerecht zu einer Eigentums-Wohnanlage umgebaut. (Zur Geschichte der Kommende siehe Godesberger Heimatblätter Band 29, Seiten 163–166 und Band 44, Seiten 65-72.)

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