Wappen von Bad Godesberg
VHH
Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V.

Spannende Spurensuche in der Kurstadt

Bad Godesberg trägt das „Bad“ seit 1926 im Namen. An vielen Stellen ist die Geschichte noch greifbar

(1. Oktober 2026, General-Anzeiger)

Von Ayla Jacob und Richard Bongartz

Bad Godesberg. Hundert Jahre ist es her: Am 10. Juni 1926 genehmigte das preußische Staatsministerium die Umbenennung der Landgemeinde Godesberg in „Bad Godesberg“, seitdem steht dieses kleine Wörtchen auf jedem Ortsschild. Doch das ist bei Weitem nicht alles. Wer genauer hinschaut, entdeckt, dass das „Bad“ nicht nur ein historischer Titel ist, sondern auch heute noch der Bezug zum Wasser (und zum Kurbad) gegeben ist. So zu sehen in der Jubiläumsausstellung „Bad Godesberg 100 – Wann ist ein Bad ein Bad?“ im Haus an der Redoute, die noch bis zum 25. Oktober läuft. Sie zeigt, was war. Der General-Anzeiger ergänzt das um Dinge, die noch da sind und wo man sie findet.

■ Draitschbrunnen und Brunnenallee: Ohne den Draitschbrunnen wäre es mit dem „Bad“ nichts geworden. Am 24. Mai 1790 weihte Kurfürst Max Franz die Draitschquelle ein und erhob Godesberg zum Kurort. Damit legte er den Grundstein für alles, was folgte. Heute zapft man das Heilwasser für 50 Cent pro angefangenem Liter ab, und Bettina Kalz, die den Brunnen gemeinsam mit ihrem Mann in dritter Generation betreibt, berichtet dem GA, dass sie nicht nur Kunden aus ganz Deutschland, sondern sogar aus der Schweiz, Belgien und den Niederlanden hat: „Die kommen mehrfach im Jahr mit riesigen Kanistern und füllen sich das Wasser hier ab.“

Im 19. Jahrhundert wurde es bis nach Großbritannien geliefert, unter anderem an Königin Victoria. Schon 1793 schwärmte ein Reisender in einem Brief an seinen Freund, das Wasser schmecke „angenehm, prickelnd, säuerlich und etwas weniges Eisen- oder Dintenhaft“ (tintenhaft, metallisch).

■ Kurfürstenquelle: Wer im Kurpark spazieren geht, läuft meist daran vorbei: der Trinkpavillon an der Stadthalle, unscheinbar, ein bisschen aus der Zeit gefallen. Dabei sprudelt dort seit 1962 die Kurfürstenquelle – aus fast 70 Metern Tiefe, stark eisenhaltig, als Heilwasser anerkannt. Um das historische Kleinod kümmert sich der Verein Bürger.Bad.Godesberg, der das Wasser kostenlos ausschenkt, und zwar ehrenamtlich. Die Karaffe unter dem Hahn, die aktuell im Haus an der Redoute ausgestellt ist, hat sich übrigens mit der Zeit rot gefärbt. Der Grund: der hohe Eisengehalt.

■ Die Redoute: 1792 eröffnet, klassizistisch und prächtig war die Redoute von Anfang an ein Ort, an dem Geld eine Rolle spielte. Der Kurfürst ließ dort eine Spielbank einrichten, deren Einnahmen den Kurort mitfinanzieren sollten. Der junge Ludwig van Beethoven spielte im Hoforchester, Joseph Haydn war zu Gast. Und der GA berichtete 1925, Goethe habe dort Roulette gespielt, was der frühere Vorsitzende des Godesberger Heimatvereins, Martin Ammermüller, gegenüber dem GA jedoch als Übertreibung einordnete: Dem Autor seien 1925 in der Bewertung des Materials die Pferde durchgegangen. Es bleibt ein Bau, der heute noch bespielt wird, in dem Hochzeiten oder Bankette stattfinden.

■ Der Kurpark: Wer heute im Kurpark unterwegs ist, ahnt vermutlich nicht, dass die Bäume um ihn herum eng mit der Bad-Geschichte verknüpft sind. Mammutbäume aus Amerika, Gingkos aus China, ein Tulpenbaum: allesamt gepflanzt für Kurgäste, die dort flanieren sollten. Ab 1880 wurde der Park immer wieder erweitert, Kurpark und Redoutenpark umfassen zusammen acht Hektar. Der Weiher an der Stadthalle, die Konzertmuschel oder auch die Tennisplätze in unmittelbarer Nähe sind Kur-Infrastruktur, die bis heute weiterlebt.

■ Die Wettersäule: 1876 gebaut, gilt die Bad Godesberger Wettersäule als die älteste noch funktionierende Wettersäule Deutschlands und steht mittlerweile unter Denkmalschutz. Sie umfasst drei Messinstrumente: Barometer, Thermometer und Hygrometer. In Zeiten des Internets spielt sie zwar nur noch eine untergeordnete Rolle, für die Kurgäste aber war sie eine wichtige Anlaufstelle. Denn Spazierkuren, Frischlufttherapie und Wanderungen hingen alle an Temperaturen und dem Regenrisiko. 2019 wurde der 2,85 Meter hohe Obelisk restauriert und wieder an seinen historisch korrekten Standort gestellt – an der Brunnenallee, in unmittelbarer Nähe des Draitschbrunnens.

■ Die Kurfürstliche Zeile: Das Ensemble aus Redoute, Logierhäusern und Allee war die Visitenkarte des Bads. Die Residenzen entlang der Kurfürstenallee wurden für Kurgäste errichtet und waren finanziert durch private Spenden, weil der Kurfürst wusste, dass er allein nicht weit käme. Heute sind dort unter anderem Rathaus und Musikschule untergebracht. „In Bad Godesberg musste man immer privates Engagement nutzen, um eine Tradition aufzubauen“, sagte Iris Henseler-Unger, Vorsitzende des Heimatvereins, in einem Interview zur Vorbereitung der 100-Jahr-Feier.

■ Schloss Rheinblick: Wer heute durch die Fenster von Schloss Rheinblick in Schweinheim blickt, sieht Seminarräume und Projektoren. Finanzbeamte aus ganz NRW werden dort geschult. Dass in denselben Räumen einst wohlhabende Städter aus Köln und dem Ruhrgebiet Entzugskuren von Alkohol, Morphium und Kokain absolvierten, weiß kaum jemand. „Schloss Rheinblick war einer der wichtigen Player unter den damals fünf oder sechs Sanatorien in Godesberg“, sagte Bernd Birkholz, Vizevorsitzender des Heimatvereins, vor gut einem Jahr gegenüber dem General-Anzeiger. „Die Stadt wollte sich damals mit großen Bädern wie Wiesbaden oder Spa in Belgien messen.“ 1927 verkaufte Gründer Dr. Franz Mueller-Roland das Haus für 280.000 Mark – umgerechnet sind das nach heutiger Kaufkraft rund 1,2 Millionen Euro – an den Verband rheinischer Krankenkassen. Noch im selben Jahr starb er. Seit 1970 ist das Schloss Fortbildungsakademie.

■ Das ehemalige Hotel Rheinland: Frauenheim, Kurhaus, Hotel, Kneipe, Kita: Das Haus an der Rheinallee hat mehr Leben hinter sich als die meisten Gebäude in Bad Godesberg. Die Zwitscherstube, die sich im Souterrain des Hauses befand, war eine Institution. Bis Oktober 2022. Damals machte erst die Kultkneipe, wenig später dann das Hotel dicht. Den Hotelgästen folgten Kinder. 2024 eröffnete in dem komplett umgestalteten Gebäude eine Dependance der Mini-Mäuse.

■ Villa Dengler: Bürgermeister Anton Dengler baute sich 1906 eine Villa – rund 400 Quadratmeter groß, repräsentativ, standesgemäß. Aber Dengler war nicht nur Bauherr, er war Stadtentwickler, er trieb auch den Ausbau Godesbergs zum Villen- und Kurort voran, warb um wohlhabende Kurgäste, ließ Infrastruktur entstehen. Das Haus steht noch, 2023 wurde es von Familie Stanzl saniert. Es ist eine von vielen Gründerzeit-Villen, die das Stadtbild bis heute prägen.

■ Godeshöhe und Godesheim: Bad Godesberg war nicht nur Anlaufpunkt für Kurgäste, es war auch eine Stadt für Menschen mit Nervenleiden. Ein Begriff, der damals alles umfasste, was heute vielleicht unter Burn-out, Depression oder Sucht läuft. Neben Schloss Rheinblick entstanden um 1900 weitere Sanatorien: die Godeshöhe und das Godesheim. Fünf oder sechs solcher Häuser habe es gegeben, so Birkholz. Die Godeshöhe ist bis heute als Neurologisches Rehabilitationszentrum bekannt.

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