Die bewegte Geschichte des Schaumburger Hofs
In der neuen Podcast-Folge von „Hinter Bonner Türen“ geht es um die Godesberger Traditionsgaststätte, die einst Treffpunkt eines ausgestorbenen Berufszweigs war
(5. Oktober 2026, General-Anzeiger)
Von Johanna Lübke und Christine Ludewig
Plittersdorf. Die Geschichte des Schaumburger Hofs beginnt mit Männern, die Schiffe auf dem Rhein flussaufwärts zogen, teilweise mit Muskelkraft, teilweise mit ihren Pferden. Für sie eröffnete 1755 am Plittersdorfer Leinpfad eine Gaststätte – ein Ort zum Ausruhen, Essen und Trinken. Anfang des Jahres musste das Traditionslokal nach der Insolvenz seines Pächters schließen. Kurze Zeit später wurde bekannt, dass es mit neuen Pächtern wieder öffnen soll. Die neue Folge des GA-Podcasts „Hinter Bonner Türen“ erzählt, wie aus der alten Schiffer-Raststätte ein Treffpunkt für Dichter und Politiker wurde.
Der Leinpfad vor der Tür war einst ein Arbeitsplatz: Sogenannte Treidler oder Halfen zogen auf dem Uferweg Schiffe mit Seilen flussaufwärts. Heinrich Mundorf aus der Eigentümer- und Wirtsfamilie des Schaumburger Hofs schilderte 1963 in den Godesberger Heimatblättern, dass die Halfen offenbar regelmäßig aus Wesseling kamen und fünf bis sechs Stunden bis Plittersdorf unterwegs waren. Dort machten sie Pause, zogen von dort ihre Lastschiffe weiter bis nach Kripp, und ritten zurück. Das Gasthaus am Rhein wurde ihr Pausenort – damals noch unter dem Namen „Zur Linde“, oder je nach Überlieferung auch „Unter den Linden“.
Als in der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts Dampfschiffe aufkamen, gerieten die Treidler und ihre Zunft in Bedrängnis. Mundorf überlieferte: Die Plittersdorfer Halfen hätten die vorbeiziehenden Dampfer vom Rheinufer aus mit Böllern mit spitzen Nägeln beschossen. Das Ende des Berufsstands hätte das Ende für das Gasthaus bedeuten können, doch ein akademisches Publikum der Bonner Universität entdeckte es für sich. Aus dem Gasthaus für Schiffer wurde somit ein Ausflugslokal mit Blick auf Rhein und Siebengebirge. Der berühmte Dichter Heinrich Heine schwärmte von der Landschaft; im Haus traf sich der Maikäferbund um Johanna und Gottfried Kinkel. Die Wirtstöchter Kathrinchen und Gretchen sollen so bezaubernd gewesen sein, dass Dichter der Romantik sie besangen.
1896 kaufte die Familie Mundorf eine der Gaststätte nahe gelegene Villa in der Turmstraße, die den Namen „Schaumburger Hof“ erhielt und als Hotel betrieben wurde. Später ging der Name auf das alte Stammhaus über. 1948 wurde es politisch: Der Parlamentarische Rat beriet im Gasthaus über die Verfassung der späteren Bundesrepublik.
Staatssekretär Hermann Wandersleb, Fürsprecher Bonns als Regierungssitz, soll von 1948 bis 1950 rund 660 Nächte im Haus verbracht haben. Ob der Hof Bonn zur Hauptstadt machte, ist wohl nicht zu beweisen. Märchenhaft klingt auch die Geschichte der englischen Königin Victoria und ihres Ehemanns Albert: Sie sollen sich im Godesberger Gasthaus kennengelernt haben. Ob diese royale Liebesgeschichte stimmen kann?
Das und mehr rund um den Schaumburger Hof erzählen Christine Ludewig und Johanna Lübke in der neuen Folge von „Hinter Bonner Türen“ – überall kostenlos zu hören, wo es Podcasts gibt.

