So besonders ist das Wasser am Draitschbrunnen
Seit 100 Jahren heißt es offiziell „Bad“ Godesberg. Doch die Geschichte des Heilwassers geht noch viel weiter zurück
(15. Juli 2026, General-Anzeiger)
Von Tamara Wegbahn
Bad Godesberg. Seit 100 Jahren steht das „Bad“ vor dem Wort Godesberg. Der Kampf um den Namenszusatz war im 20. Jahrhundert ein langer. Heute müssen sich die Bad Godesberger Bürgerinnen und Bürger keine Sorgen machen, dass der Name plötzlich geändert werden könnte. Doch das Heilwasser hat in Godesberg schon eine viel längere Tradition. Das können Bettina und Reinhard Kalz vom Draitschbrunnen bestätigen.
„Die Draitschquelle ist prägend für ganz Bad Godesberg“, erklärt Bettina Kalz. Sie sei der Grund, warum Bad Godesberg den Namen „Bad“ erhalten habe. Die Brunnenhalle wurde 1978 von ihrem Vater Helmut Friehl erbaut. Der 87-Jährige bezeichnet sich auch heute noch als Brunnenmeister. „Den Titel habe ich seit 70 Jahren inne“, erzählt er lachend. Denn bereits in den 1950er Jahren arbeitete Friehl an der ehemaligen Trinkhalle des Brunnens.
Das Heilwasser, das dem Arzneimittelgesetz unterliege, habe auch außerhalb Bonns und Bad Godesbergs eine lange Geschichte, so Kalz. Im 19. Jahrhundert sei es unter anderem an Königin Viktoria nach Großbritannien und dann bis nach Südamerika geliefert worden. Heute habe sie immer noch Kundinnen und Kunden, die aus der Schweiz, Belgien oder den Niederlanden vorbeikämen. „Die kommen mehrfach im Jahr mit riesigen Kanistern und füllen sich das Wasser hier ab“, berichtet sie stolz.
Um das 100-jährige Jubiläum am 5. September zu feiern , hat die Familie nun eine Jubiläumsflasche entworfen. Das Design sei in Zusammenarbeit mit dem Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V. (VHH) entstanden, bestätigt Iris Henseler-Unger. Sie ist Erste Vorsitzende des Vereins. Pro verkaufter Flasche soll ein Teil des Kaufbetrags an das CJG Hermann-Josef-Haus gespendet werden. Die Zusammenarbeit bezeichnet Bettina Kalz als „Herzensangelegenheit“ und auch Britta Pitsch gibt an, dass die Idee bei Familie Kalz entstanden sei.
Die Godesberger Heilquelle hat eine Geschichte, die noch viel weiter als nur ins vergangene Jahrhundert zurückreicht. Bereits zu Zeiten der Römer soll sie existiert haben. Dies stellte der Arzt F. J. Schwann in einem Bericht aus dem Jahr 1865 heraus. In seinem Werk „Der Godesberger Mineralbrunnen Draisch“ skizziert er, wie die Quelle über die Jahrhunderte hinweg immer wieder drohte in Vergessenheit zu geraten. Doch gerade bei der Bevölkerung in der Nähe des Brunnens seien die gesundheitlichen Qualitäten des Wassers immer bekannt gewesen, gibt der Arzt aus Godesberg an.
Ähnliche Berichte finden sich auch in den Godesberger Heimatblättern. Im Jahr 1793 berichtete ein Reisender seinem Freund per Brief von der Besonderheit des Wassers. So beschrieb er den Geschmack als „angenehm, prickelnd, säuerlich und etwas weniges Eisen- oder Dintenhaft“. Vor Ort bestätigt sich dieser Eindruck. Ein Schluck des Heilwassers hinterlässt ein sanftes Prickeln auf der Zunge und der Geschmack von Eisen sticht klar hervor.
Der Reisende berichtet seinem Freund zudem von zahlreichen Soldaten, die durch den Genuss des Wassers schneller wieder gesund geworden seien. Das Wasser solle bei Krankheiten des Nervensystems und „sogar gegen die Unfruchtbarkeit“ wirken. Seinem Freund empfahl der Reisende daraufhin, seine bisher kinderlose Ehefrau nach Godesberg zu schicken.
Die offizielle Eröffnung der Draitschquelle fand, laut den Godesberger Heimatblättern, am 24. Mai 1790 statt. Zu dieser Zeit hatte Kurfürst Max Franz beschlossen, dass er Godesberg in einen Kurort verwandeln wolle. Zur Entscheidung des Kurfürsten sollen zwei unterschiedliche Untersuchungen der Wasserqualität beigetragen haben. Zeit, sich zu etablieren, hatte der Badeort allerdings nicht. Durch den Einmarsch der französischen Revolutionstruppen nur vier Jahre später, lag der Kurort über mehrere Jahrzehnte brach.
Erst in den 1850er Jahren kam erneut Bewegung in die Situation, als ein Kurhaus erbaut wurde. Doch auch das führte nicht zu einem anhaltenden Erfolg. Neben fehlenden Plätzen für Gäste bescheinigten viele dem Wasser auch eine eingeschränkte Wirksamkeit. Der Erste und Zweite Weltkrieg sowie die dazwischen liegende französische Besatzung erschwerten die Situation in Bad Godesberg weiter. Letztlich sollte der Kurbetrieb nach dem Zweiten Weltkrieg wieder aufgenommen werden. Seit den 1960er Jahren spielt auch die Kurfürstenquelle eine wichtige Rolle bei den Heilwassern. Die Quelle ist im Stadtpark entstanden und auch hier ist das Wasser stark eisenhaltig.
Nach der Neugestaltung des Trinkbrunnens in den 1970er-Jahren lag der Draitschbrunnen lange brach und wurde als „Schandfleck“ wahrgenommen. Auch deshalb führte der Heimatverein im Jahr 2015 Renovierungs- und Sanierungsarbeiten an dem Brunnen durch. Die Kosten von rund 213.000 Euro wurden vor allem durch Spenden, Rücklagen des Vereins und durch Unterstützung der Stadt Bonn getragen.
Die Feierlichkeiten rund um das Jubiläum reißen in Bad Godesberg auch in den kommenden Monaten nicht ab. So beginnt ab dem 16. September im Haus an der Redoute eine Ausstellung zu dem Thema „Bad Godesberg 100 – Wann ist ein Bad ein Bad? “. Oberbürgermeister Guido Déus soll hier die Eröffnungsrede halten, so Henseler-Unger. Die Ausstellung kann bis zum 25. Oktober 2026 besucht werden. Ergänzt wird sie durch Erkundungsreisen durch den Stadtteil.

