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Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V.

„Es gibt so viele Geschichten, die noch nicht erzählt sind“

Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg veröffentlicht 63. Band der Heimatblätter

(16. April 2026, General-Anzeiger)

Von Ayla Jacob

Bad Godesberg. Norbert Schloßmacher vom Bad Godesberger Heimatverein hält es frei mit Sepp Herberger: „Nach den Heimatblättern ist vor den Heimatblättern.“ Denn kaum liegt Band 63 auf dem Tisch, wandert der Blick beim Verein schon zum nächsten Teil eines Projekts, das nie wirklich „fertig“ ist. „Es gibt so viele Geschichten über Bad Godesberg, die noch nicht erzählt sind“, fasst die Vorsitzende Iris Henseler-Unger zusammen. Und so kommt es, dass die einen noch blättern – und die anderen schon wieder Stoff sammeln: Fragen aus der Nachbarschaft, Hinweise aus Zeitungsartikeln, Fotos aus Familienalben – und Themen, von denen man plötzlich merkt, dass man sie bislang nur zu kennen glaubte.

Wie diese Themen entstehen, schilderte Vize-Vorsitzender Bernd Birkholz bei der Vorstellung des neuen Bandes als Mischung aus Zufall, Interesse und gezielter Suche. Manches werde an den Verein herangetragen, so wie der aktuelle Beitrag von Stefan Rübenach über die Rüngsdorfer Marienkapelle. In anderen Fällen tauche irgendwo ein Stichwort auf – und dann stelle sich die Frage: Wer kann das seriös aufbereiten? Auch ältere Themen ließen sich wieder anfassen, wenn neue Quellen auftauchten oder sich der Blick verändere. So wie bei der Markuskapelle am Markusstift, die Schloßmacher für eine der nächsten Ausgaben (noch einmal) aufgreifen möchte.

Die größte Hürde ist dabei nicht unbedingt die Recherche – sondern oft das Schreiben. Zwar gebe es Menschen, Mitglieder wie Nichtmitglieder, die mit Fragen nach bestimmten Häusern oder Ereignissen kämen. Doch sobald es ans Ausformulieren geht, werde es dünn, so Birkholz: „In 80 Prozent der Fälle ist die Antwort: Das kann ich nicht.“ Dann stellt sich die Frage, ob jemand aus dem Verein übernimmt – oder ob das Thema erst einmal wieder verschwindet. Dabei würde man sich über neue Autoren freuen, betont Henseler-Unger – und ebenso über digital-affine Unterstützung. Denn nicht nur die Heimatblätter, auch die vereinseigene Postkartensammlung würde man gerne digital zugänglich machen. Bisher scheitere das an Kapazitäten.

Was als Nächstes anstehen könnte, zeigte die Runde an Beispielen. Besonders reizvoll: Lücken, von denen man nicht wusste, dass sie da sind, sagt Schloßmacher. Für ihre Facharbeit habe eine Schülerin gefragt, ob es Material zu den Anfängen der NSDAP in Bad Godesberg gebe. Eine Recherche ergab, „dass wir darüber eigentlich nichts wissen“. Welche Vorläufer es vor 1933 gab, sei kaum erforscht.

Daneben stehen weitere Ideen bereit: die „Schulstadt“ Bad Godesberg Anfang des 20. Jahrhunderts und die Frage, was die Nazis daraus gemacht haben – inklusive Hinweise auf Einrichtungen wie Hitlerjugend- oder Luftwaffenschulen, so Birkholz. Und dann sind da noch lokale Mythen, die nach Quellen verlangen: etwa die Legenden um die Niederdollendorfer Fähre, die stets „die Elektrische“ genannt werde. Dabei treffe dies „nur“ auf die Anfänge zu, ab 1932/33 sei Elektrizität von Diesel abgelöst worden. Auch die Erzählung, der ehemalige Bürgermeister Heinrich Alef habe die Fähre nach seiner Flucht versenkt, sei nicht zu belegen; wahrscheinlicher sei, dass deutsche Soldaten sie gesprengt hätten.

Warum das alles lesen? „Weil Geschichte einfach spannend und identitätsstiftend ist und hilft, Dinge zu verstehen – im Kleinen wie im Großen“, so Schloßmacher. Für den Heimatverein heißt das: erst einmal Sommerpause – und dann weiter. Denn nach Band 63 ist vor Band 64.

Die Bad Godesberger Heimatblätter gibt es in der Geschäftsstelle des Vereins, Augustastraße 82, dienstags von 15 bis 18 Uhr. Mitglieder erhalten ein Exemplar kostenfrei, jedes weitere kostet zehn Euro. Nichtmitglieder zahlen 15 Euro. Kontakt: info@vhh-badgodesberg.de.

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