Wie Bad Godesberg zu seinem „Bad“ kam
Warum trägt Bad Godesberg seit 100 Jahren das „Bad“ im Namen? Die Ausstellung „Bad Godesberg 100 – Wann ist ein Bad ein Bad?“ im Haus an der Redoute geht der Kur-Geschichte nach – vom Draitschbrunnen bis zum „Großen Welttheater“
(9. April 2026, General-Anzeiger)
Von Ayla Jacob
Bad Godesberg. Bad Godesberg feiert Jubiläum. Und nicht nur irgendeins, sondern ein ganz Besonderes. 100 Jahre ist es her, dass die Landgemeinde Godesberg sich offiziell umbenennen durfte. Seitdem trägt sie das „Bad“ im Namen. Ein runder Geburtstag, der gefeiert werden will. Aus diesem Grund sammelt der Heimatverein gerade die Geschichten, Bilder und Dinge ein, die zeigen, was dieses kleine Wörtchen einmal bedeutete.
Für die Ausstellung „Bad Godesberg 100 – Wann ist ein Bad ein Bad?“ im Haus an der Redoute ist bereits einiges zusammengekommen: von Veduten von Janscha/Ziegler und Supraporten aus der Redoute bis zu ganz alltäglichen Erinnerungsstücken wie Wasserflaschen, mit denen man früher zum Brunnen ging. Diese hat die Familie Fiehl, die die Draitschquelle an der Brunnenallee ausschenkt, zur Verfügung gestellt. „Man fuhr nicht nur hin, um Wasser zu trinken und spazieren zu gehen, sondern auch, weil das Leben da war“, sagt die Vereinsvorsitzende Iris Henseler-Unger – und genau dieses Lebensgefühl will die Schau wieder sichtbar machen.
Der Schwerpunkt liegt dabei nicht auf Nostalgie um ihrer selbst willen, sondern auf der langen, manchmal widersprüchlichen Kur-Geschichte des Ortes – einer Geschichte voller Neustarts, weiß Henseler-Unger. Der erste begann 1790, als Kurfürst Max Franz die Mineralquelle fassen ließ und die Kuranlagen auf den Weg brachte: den Draitschbrunnen, die Brunnenallee, die Redoute als Spiel- und Konzertstätte.
Am Pfingstmontag 1790 startete mit der Brunnenöffnung die Ära des Kur- und Badewesens in Godesberg. Die Quelle nämlich, so hatten es Untersuchungen ergeben, eignete sich ideal für medizinische Behandlungen. Danach kamen weitere Neustarts: nach der französischen Besetzung, in preußischer Zeit zum Beispiel kamen der Kurpark und auch die Schiffsanleger an der Bastei dazu. In den Hochzeiten Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts waren Sanatorien und Badeanstalten gut belegt; die Gäste blieben teils monatelang. Nach jedem Weltkrieg gab es wieder Anläufe, an alte Badetraditionen anzuknüpfen. Hinzu kam unter anderem das Kurfürstenbad, das 1964 eröffnet wurde – und auf dessen Neubau die Bad Godesberger aktuell hoffen dürfen.
Der formale Höhepunkt der Bemühungen – der Namenszusatz – kam dann ausgerechnet zu einer Zeit, als das goldene Kur-Zeitalter eigentlich schon zu Ende war, erzählt Henseler-Unger: 1926 wurde aus „Godesberg“ offiziell „Bad Godesberg“. Die Kriterien seien zwar erfüllt gewesen – Heilquelle, Logierhäuser, Kurangebote, Park, Wanderwege, gute Verkehrsanbindung –, aber an die große Zeit vor dem Ersten Weltkrieg anzuschließen, blieb schwer. Henseler-Unger ordnet das nüchtern ein: „Dann hat es endlich das ‚Bad‘ gehabt, aber das hat die Attraktivität für Kur- und Badegäste nicht besonders erhöht. Die Hochzeit der Bäder war nach dem Ersten Weltkrieg endgültig vorbei.“ Der Titel war für Kurorte links des Rheins auch eine Art „Hilfs- und Trostpflaster“, nachdem Besatzungszeit, Garnisonsstatus und politische Unruhen den Tourismus abgewürgt hatten.
Eine Episode aus genau dieser Aufbruchszeit erzählt sie besonders gern – und sie wird in der Ausstellung eine Rolle spielen: das „Große Welttheater“. Es wurde 1926 im Redoutenpark aufgeführt, „ um den Kurtourismus wieder anzukurbeln“, so Henseler-Unger. Die Inszenierung sei eine „ pompöse Veranstaltung“ gewesen, mit großem Bühnenbild, Chor und Kostümen, die auf historischen Fotos heute noch auffallen. Es gab 63 Vorstellungen, an denen 1060 Menschen aus Bad Godesberg zwischen acht und 74 Jahren mitwirkten – „ein Riesenevent“, das sogar überregionale Nachfrage aus dem In- und Ausland erzeugte. 1927 wollte man den Erfolg wiederholen, überarbeitete das Stück, doch ein verregneter Sommer und Kritik am „zu katholischen“ Charakter ließen die Saison einbrechen; sie wurde vorzeitig beendet – mit Verlust, so die Vereinsvorsitzende. Auch das gehört zur „Bad“-Geschichte: Enthusiasmus, große Pläne – und nicht immer das Happy End.
Damit die Ausstellung diese Geschichte auch zeigt, wächst die Liste der Exponate weiter. Henseler-Ungers Lieblingsstück ist und bleibt der Originalschriftzug „Mineralbad“ von 1904, der früher das Mineralbad für Heilbäder und Badekuren schmückte und seit Jahrzehnten an einem Privathaus hängt. Der Heimatverein bringt außerdem eigene Stücke ein: Reiseführer, Notgeld aus der Inflationszeit und Dokumente aus der Kurgeschichte.
Dazu kommen private Leihgaben, etwa Reiseführer mit Widmungen, über die Henseler-Unger besonders glücklich ist: „Da bin ich natürlich begeistert, wenn ich das Original als Leihgabe bekomme.“ Und manchmal sind es gerade die scheinbar unspektakulären Dinge, die Besucher packen: Eine noch gefüllte Jubiläumsflasche, „mit der Plastiktüte“, betont die Vorsitzende, die offenbar eher als Geschenk denn als Durstlöscher diente. Sogar ein Säulenstumpf aus Gusseisen aus dem alten Mineralbad wurde angeboten – der Verein prüft, wie er sich sinnvoll präsentieren lässt.
Gesucht wird weiterhin alles, was Kur- und Badeleben sichtbar macht – vom Fotoalbum bis zum Badeinventar. Wer ein potenzielles Exponat besitzt, sollte sich per Mail bei Henseler-Unger melden (henseler-unger@vhh-badgodesberg.de ) und das Stück beschreiben. Wenn es passt, so die Vereinsvorsitzende, werden ein Foto erbeten und die Modalitäten geklärt. „Niemand muss gekränkt sein, wenn wir das angebotene Exponat schon haben“, sagt Henseler-Unger. Aber manches unerwartete Stück ist eine Bereicherung, weil es neue Perspektiven einbringe.
Die Ausstellung „Bad Godesberg 100 – Wann ist ein Bad ein Bad?“ ist ab dem 16. September im Haus an der Redoute zu sehen. Sie läuft bis zum 25. Oktober. Sie wird begleitet durch ein umfassendes Rahmenprogramm , das den Blick auf den Bade- und Kurort verbreitert und vertieft.

