Von „Mutter Erde“ bröckelt der Sandstein
Das Grabmal „Mutter Erde“ auf dem Burgfriedhof ist seit Jahren in einem sehr traurigen Zustand – und es wird immer schlimmer. Ist das historische Kleinod zu retten?
(10. April 2026, General-Anzeiger)
Von Ebba Hagenberg-Miliu
Bad Godesberg. Das ist auf dem Burgfriedhof selbst von Weitem sichtbar: Die Monumentalfigur der „Mutter Erde“, die ihren Mantel über die Figuren eines riesigen Grabmals ausbreitet. Dieses kunsthistorisch wertvolle Jugendstil-Monument des österreichischen Bildhauers Adolf Simatschek gehört zur Spezies der christlichen Schutzmantelmadonnen. Doch diese todernste „Mutter“ am Friedhofshang wacht seit 1912 eher wie eine düstere Sphinx über der Grabstätte der Kaufmannsfamilie Hermann Dernen. „Denn du bist Erde und sollst zu Erde werden“, steht am Sockel geschrieben, was auch nicht gerade das Himmelreich verheißt. Und schützen kann diese „Mutter“ ihre „Kinder“, die großen Halbplastiken, schon lange nicht mehr.
Denn von dem Sandsteinwerk bröckeln unterhalb eines Wehrturms seit Jahren Teile der lebensgroßen Figuren, etwa des sich à la Auguste Rodin umschlingenden Paars in der Mitte, herab. Auch aktuell liegen immer wieder Stückchen der Sterbenden-Figuren auf dem mit Moos bewachsenen Sims. Somit sind unter dem voluminösen Mantel der Sphinx zur Rechten die Bewegungen der traurigen Alten und der Kinder, die noch nach ihrer todkranken Mutter greifen, schon gebrochen.
Auch an der linken Hälfte, wo sich die Figuren Todgeweihter noch ans Vergnügen und ans liebe Geld zu klammern versuchen, sind im Vergleich zu vergangenen Jahren weit mehr Teile abgeplatzt. Die Witterung setzt dem Grabmal der einst einflussreichen Godesberger Familie, von der hier einige Vertreter bestattet liegen, weiter unerbittlich zu.
Schon 2022 hatte Iris Henseler-Unger, die Vorsitzende des Godesberger Heimat- und Geschichtsvereins, prophezeit, es gehe voran mit der Erhaltung des Kunstwerks. Auf die aktuelle GA-Anfrage bestätigt sie, dass das Grabmal „leider ernsthaft vom Verfall bedroht“ ist, fügt aber nochmals hinzu: „Dabei gibt es durchaus anhaltende Versuche zur Rettung. Der Denkmalschutz des Landschaftsverbands Rheinland (LVR) sei involviert. „Ich stehe mit der Unteren Denkmalbehörde und der Stiftung Denkmalschutz in Kontakt. Auch mit der Eigentümerfamilie gab es Gespräche“, so Henseler-Unger. Die Restaurierung werde sicherlich sehr aufwendig, erst recht, weil sie nun, anders als bei den Reparaturen in den frühen 2000er-Jahren, grundlegender sein müsse.
„So ist zentrale Voraussetzung die Absicherung des Grabmals von hinten und unten, um das Eindringen von Wasser zu verhindern“, sagt die Vertreterin des Heimatvereins. Man sollte auch die immer größer werdenden Eiben hinter dem Kunstwerk entfernen, da deren Wurzeln den Sandstein zerstörten. Zu alledem würden im Augenblick noch die nötigen Mittel gesucht. „Insgesamt rechne ich mit einer Summe von über 100.000 Euro.“ Die Hoffnung sei, dass diese Mittel trotz der knappen Kasse der Stadt Bonn mit Stiftungsgeldern und anderen Spenden ergänzt, bald aufgebracht werden könnten, bevor der Schaden am Grabmal irreparabel werde, sagt Henseler-Unger. „Ein baldiges gemeinsames Treffen aller Beteiligten wäre sicherlich hilfreich.“
Auf Anfrage bei der Stiftung Denkmalschutz Bonn antwortet Thomas Mertz zurückhaltend: „Da es sich nicht um ein Förderprojekt handelt, können wir leider nichts zu dem Objekt sagen.“
Bei der Stadt antwortet das Presseamt, das Grabmal „Mutter Erde“ werde wie alle Gedenkzeichen jährlich auf Sicherheit geprüft. Auch wenn das Grabmal sich in einem sanierungsbedürftigen Zustand befinde, gehe bisher keine Gefahr für die Friedhofsbesucher davon aus.
„Bevor eine Restaurierung, die von verschiedenen Seiten befürwortet wird, gestartet werden kann, müssten seitens der Stadt Bonn eine Hangabstützung und Abdichtungsarbeiten vorgenommen werden, damit der immerwährende Feuchteeintrag gestoppt wird“, so das Presseamt. „Leider konnte dies aufgrund von Kapazitätsengpässen bisher nicht umgesetzt werden.“
Die Stadtverwaltung stehe im Hinblick auf eine Sanierung weiterhin im Austausch mit der Nutzungsberechtigten als auch mit dem Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte (VHH) Bad Godesberg. Für eine Restaurierung, für die der Heimatverein bereits Spender akquiriert habe und bereit sei, die Grabpächterin zu unterstützen, könnten Fördermittel generiert werden.

