Zwei historische Gemälde von Louis Ziercke kehren zurück
Zuwachs für die lokale Kunstgeschichte
(26. November 2025, General-Anzeiger)
Von Ayla Jacob
Bad Godesberg · Zwei Gemälde des 1887 geborenen Bad Godesberger Künstlers Louis Ziercke sind wieder aufgetaucht, und zwar auf dem Dachboden der Ännchen-Schützen. Was damit geschieht.
Louis Ziercke, 1887 in Godesberg geboren, gehört zu jenen Künstlern, deren Bedeutung vor allem im regionalen Gedächtnis verankert ist. Sein Schaffen dokumentiert eine wichtige Epoche rheinischer Kunstgeschichte. Nun sind zwei weitere Puzzlestücke seines malerischen Werks aufgetaucht. Auf dem Dachboden der Ännchen-Sportschützen. Die die Bilder nun an den Bad Godesberger Heimatverein übergeben haben.
Fast wären die Bilder auf dem Müll gelandet. Bei näherem Hinsehen aber sei man sicher gewesen, dass sie dafür zu schade wären, erzählt Michael Terhorst von den Schützen. Kurzerhand kontaktierte man den Heimatverein. Der sich, vertreten von Iris Henseler-Unger und Bernd Birkholz, sichtlich über die beiden Werke freute – und sie gegen eine Spende für die Jugendkasse mitnehmen konnte. „Wir haben eine Wand mit Bildern“, erzählt Birkholz. Dort werde man umrangieren. Damit die Zierckes angemessen zur Geltung kommen.
Die beiden Bilder – datiert auf 1935 – zeugen von Zierckes lokaler Verbundenheit. Auf dem einen ist die Michaelskapelle im Schnee zu sehen. Das heute denkmalgeschützte Gotteshaus nahe der Godesburg ist eines der Wahrzeichen von Bad Godesberg. Auf dem anderen ist ein laut Henseler-Unger (fast) noch bekannteres Bildmotiv zu sehen: der Pionierweg, in Blickrichtung der Godesburg. Doch wer war Louis Ziercke eigentlich? Am 9. April 1887 geboren, ging es bald an die Brunnenallee 8. Dort hatten die Eltern um 1900 ein Haus gebaut. Nach der Volksschule und ein paar Jahren am Gymnasium zog der Godesberger nach Düsseldorf. Dort besuchte er von 1902 bis 1909 die Kunstgewerbeschule, wie in den Godesberger Heimatblättern zu lesen ist – erst bei den Dekorationsmalern, dann in der Klasse für Flächen- und graphische Kunst. Seine Lehrer waren unter anderem Peter Behrens und Fritz H. Ehmcke.
Den Wunsch seines Vaters, einem Dekorationsmaler und Anstreicher, in seine Fußstapfen zu treten, kam er nicht nach. Stattdessen stand Studieren auf dem Programm. Erst in München, dann in Berlin. Doch die Arbeit bei Peter Behrens schien nicht die Erfüllung zu sein. Nach nur drei Monaten kündigte Ziercke. Und erfüllte sich mit seinem Freund Fritz Kaldenbach (Architekt und Grafiker) einen Traum: Sie eröffneten ein eigens Büro in Godesberg. Der Name, so heißt es in den Heimatblättern: „Kaldenbach & Ziercke, Atelier für Architektur, Entwurf. Entwurf und Anfertigung kunstgewerblicher und grafischer Arbeiten, künstlerische Drucksachen, Godesberg“.
Doch auch dies war nicht von langer Dauer. Kaldenbach verließ Godesberg im Jahr 1910, er wollte Architekt werden. Ziercke hingegen zog es zur Malerei. Von 1911 bis 1914 studierte er in Berlin bei Lovis Corinth, dann kehrte er ins Rheinland zurück. Nach dem Ersten Weltkrieg 1918 kam er zurück in seine Heimat und blieb bis zu seinem Tod 1945 in Godesberg – als Maler und als Werbegrafiker.
Ziercke war Mitglied bei der Künstlergruppe „Der Block“, im Künstlerbund Westmark und im Deutschen Werkbund.

