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Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V.

Godesberg will kein Anhängsel sein

Beim Arbeitstreffen mit Heimatforschern kündigt die Leiterin des Stadtmuseums nun einen möglichen neuen Standort an

(13. September 2023, General-Anzeiger)

VON EBBA HAGENBERG-MILIU

BAD GODESBERG. | Am schwülen Montagabend rauchten die Köpfe, als zwei Dutzend Godesberger Heimatforscher und Godesberg-Fans bei einem zweiten langen Arbeitstreffen mit dem Team des Bonner Stadtmuseums über die Zukunft der Einrichtung diskutierten. Wie berichtet , kann der bisherige Standort in der Franziskanerstraße 9, der inzwischen Teil des Projekts Viktoriakarree für Einzelhandel, Gastronomie, Wohnen und Einrichtungen der Universität ist, nicht Museum bleiben. Museumsleiterin Yvonne Katzy informierte, dass von der Kulturdezernentin als neuer Standort weiterhin der Anbau des Alten Rathauses an der Rathausgasse 7 favorisiert werde.

Die entsprechende Machbarkeitsstudie sei gerade fertig geworden und werde im Kulturausschuss am 24. Oktober veröffentlicht. „Sie muss erst durch die politischen Gremien. Ich kann aber jetzt schon sagen, dass wir sehr zufrieden mit den Ideen des Architekturbüros sind“, sagte Katzy. Auch in Sachen Flächen werde ein erfreulicher Zugewinn erreicht. Wie berichtet, hatten gerade die Godesberger angemahnt, dass die vorhandenen 500 Quadratmeter in der Rathausgasse „doch sehr klein angesichts der 2000-jährigen Geschichte“ Gesamt-Bonns seien.

Godesberger betonen eigene Entwicklungsgeschichte

Die Stadt steht derzeit im Dialog mit Interessierten aus den vier Stadtbezirken Bonn, Godesberg, Beuel und Hardtberg, um in der neu geplanten Dauerausstellung auch „jeden Bezirk gleichwertig zu präsentieren“, wie Katzy in Godesberg noch einmal betonte. Bonns Stadtmuseum soll also künftig mit neuer Konzeption nicht nur die Geschichte des Bonner Zentrums spiegeln. In der derzeitigen Museumssammlung kommt etwa Bad Godesberg eigentlich nur in Form von Karnevalsorden vor. Um das zu ändern, brauche ihr Team Informationen der örtlichen Experten, wolle also fachlich „Fleisch an die Knochen“ bekommen, sagte die Museumsleiterin. Beim ersten Arbeitstreffen waren schon eine ganze Reihe wichtiger Godesberger Themen auf den Tisch gekommen.

„Bad Godesberg ist nicht Anhängsel von Bonn. Es hat eine eigene und unabhängige Entwicklung aufzuweisen“, sagte Iris Henseler-Unger, Vorsitzende des Heimat- und Geschichtsvereins, am Montag und legte noch eine Schüppe drauf: „Die Geschichte der heutigen Stadt Bonn ist ohne die Einbeziehung Bad Godesbergs unvollständig.“

Die Godesberger Workshopteilnehmer gaben dem Museumsteam jedenfalls viel „Fleisch an die Knochen“, zum Beispiel Hinweise zur Rolle als wichtiger Bildungsstandort: Man habe schon die ersten Töchterheime für Frauenstudien Anfang des 20. Jahrhunderts geboten und habe heute die reichste Schullandschaft im Umkreis. Man unterrichte auch zahlreiche Kinder und Jugendliche aus Bonn und dem Rhein-Sieg-Kreis und könne zudem mit drei in der Region bekannten fremdsprachigen Schulen aufwarten, führten die Experten aus. Godesberg sei, seit Kurfürst Max-Franz es Ende des 18. Jahrhunderts zum Kur- und Badeort machte, auch ein herausragender Medizinstandort. Die bis 1969 selbstständige Stadt habe zudem eine beachtliche Industriegeschichte aufzuweisen, erinnerten Workshopteilnehmer mit Blick etwa auf die Ringsdorff-Werke, heute SGL-Carbon, und die vormalige Haribo-Produktion.

Politprominenz mit Bürgernähe in Godesberg

„Bad Godesberg hat auch ein Alleinstellungsmerkmal als Diplomatenstadtteil. Das hat seine Identität enorm geprägt “, sagte Bezirksbürgermeister Michael Wenzel. Er behaupte sogar, dass Bonn ohne den guten internationalen Ruf Godesbergs kaum UN-Standort habe werden können. „Godesberg war schon multikulti, als andere das Wort noch gar nicht kannten“, gab Wenzel ein Bonmot von Hotelier Fritz Dreesen zum Besten. Godesberg sei in Hauptstadtzeiten auch der Wohn- und Lebensort von Politprominenz gewesen, berichteten andere. „Da saß der Genscher im Restaurant Cäcilienhöhe oder nebenan im Café und unterhielt sich mit uns“, hieß es etwa im Dialog mit dem Stadtmuseum. Es habe eine heute schier unglaubliche Bürgernähe der Politik gegeben.

Als weiteres wichtiges Thema wurden dem Museumsteam am Montag auch die Spuren genannt, die die Nazizeit im Stadtteil hinterlassen hat. Zum Beispiel in Form eines intensiven Gedenkens an die Opfer durch zahlreiche Stolpersteine. Mit Klaus Barbie, dem Schlächter von Lyon, sei hier zudem einer der Haupttäter des Terrorregimes geboren worden. Adolf Hitlers Stellvertreter Rudolf Hess sei hier zur Schule gegangen. Godesberg habe mit seinem Rheinhotel Dreesen leider auch als „Hauptquartier“ Hitlers gegolten. Aber nach 1945 hätten überlebende Pfarrer der widerständigen Bekennenden Kirche Godesberg ein deutlich demokratisches Profil gegeben, wiesen Teilnehmer auf GA-Berichte über Friedrich Bleek, Klaus Lohmann und Werner Ehlert hin.

„Bitte frickeln Sie also in der neuen Stadtmuseums-Konzeption Godesberg nicht nur irgendwo rein, sondern berücksichtigen Sie seine Eigenständigkeit“, sagte die Heimatvereins-Vorsitzende der Museumsleiterin. Ein drittes Arbeitstreffen ist geplant.

PERSONALIE – Geht Philipp Hoffmann nach Köln?

Yvonne Katzy war zum zweiten Godesberger Treffen ohne Philipp Hoffmann, den Leiter des Zentrums für Stadtgeschichte und Erinnerungskulturen, gekommen. „Er ist aus terminlichen Gründen verhindert, er ist aber noch für Bonn aktiv“, antwortete Katzy auf Nachfrage. Wie berichtet, ist der Abteilungsleiter nach zweijähriger Tätigkeit im Bonner Amt als Chef des Kölner Stadtmuseums im Gespräch. „Es ist ein schwebendes Verfahren. Er hat bei der Stadt noch nicht gekündigt“, so Katzy. ham

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