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Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V.

Wo schon Ernst Moritz Arndt Bier trank

Die „Arndtruhe“ ist eines der verschwundenen Wahrzeichen Bad Godesbergs. Früher war sie ein beliebtes Lokal

(8. März 2022, General-Anzeiger Bonn)

Von Stefan Knopp

FRIESDORF. | Wo einst Ernst Moritz Arndt in seinen letzten Lebensjahren einzukehren beliebte, erinnert jetzt nur noch ein Straßenschild an diese Stätte. Das Sträßchen „An der Arndtruhe“ findet man am Ende der Hochkreuzallee – und wer weiß, wie vielen Menschen in der heutigen Wohnsiedlung bewusst ist, dass sie an einem Ort leben, an dem nicht nur ein Bonner Wahrzeichen gestanden hat. Schon zu Römerzeiten herrschte dort reges Treiben.

Die Häuser, die dort jetzt stehen, wurden auf den Überresten einer römischen Villa gebaut. „Die wurden nie richtig ausgegraben“, erklärt Iris Henseler-Unger, Vorsitzende des Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte. Man weiß aber, dass es darin viele Baderäume in komplizierter Anordnung gegeben hat, dass Bausteine aus den Alpen kommen und dass mittendrin die Kruchter Kapelle stand, erstmals 1378 erwähnt, aber vermutlich älter.

Als Altarplatte diente der Fortuna-Weihestein der römischen Legion, der dem Kaiser Gordianus III. (Amtszeit von 238 bis 244 nach Christus) gewidmet war. Die Kapelle war nach Pestjahren auch Ziel für Wallfahrten, und man stritt sich damals auch darüber, ob diese Kapelle oder aber die Pfarrkirche Sankt Servatius die Friesdorfer Urpfarre gewesen sei. Früher hieß die Hochkreuzallee dort Kapellenstraße, in Erinnerung an dieses Gotteshaus.

Die erste Grabung zur römischen Villa wurde 1874 hinter der Wolterschen Waldschenke vorgenommen. Und damit kommt man dem Lieblingsort des Schriftstellers und Lyrikers näher. Was von dem noch zu sehen ist, dient heute ganz offiziell Fledermäusen als Behausung. Das ist der Felsenkeller, in dem die Betreiber der Schenke ihr Bier kühlten – im Zweiten Weltkrieg diente er als Luftschutzbunker.

Ob, wie es gerne heißt, der Gründer der Schenke Anton Wolter auch das undurchschaubare Kellersystem angelegt hat, ist laut Henseler-Unger umstritten. Vielleicht waren es auch die Römer, man weiß es nicht. Dort ist es kühl, ein spannender Spielplatz für Kinder war es vermutlich auch, jedenfalls kann man das in den Godesberger Heimatblättern im Artikel über den Maler Toni Wolter (siehe Infokasten) nachlesen, der mit der Wirtsfamilie der „Arndtruhe“ verwandt war.

Als das Gebäude diesen Namen erhielt, war es längst nicht mehr im Besitz der Wolter-Familie. Anton und Nikolaus Wolter hatten das Grundstück in der Idylle am Klufterbach erworben, nach Streitigkeiten führte Ersterer die dort 1855 aufgebaute Brauerei, später „Im Felsenkeller“ genannt, alleine weiter. Mit dem klaren Wasser aus dem Bach und viel Sachverstand braute er ein Bier, das weithin geschätzt wurde.

Das Getränk und die schöne Lage mit Blick auf die Godesburg und den Rhein lockte viele große Namen an, von Karl Schurz und Karl Joseph Simrock über August Wilhelm von Schlegel bis eben Ernst Moritz Arndt. Der kam jeden Mittwoch und trank die zwei Flaschen Bier, die der Wirt seinen Gästen zugestand – man sollte sich bei Anton Wolter ja nicht betrinken. Kam er mit Studenten, hielt er ihnen flammende Reden und schickte sie mit dem Satz „Nun gehet hin und werdet brave deutsche Männer!“ nach Hause.

So beschreibt es Wolfgang Wolter in seinen Erinnerungen an das, was ihm von seinen Vorfahren berichtet wurde, in den Godesberger Heimatblättern. Nach Anton Wolters Tod übernahm sein Sohn Lorenz den Betrieb, aber weil sich Schulden angehäuft hatten, stellte er den Brauereibetrieb bald ein. Sein Bruder Peter Anton führte kurzzeitig eine Gastwirtschaft im Wohnhaus, verkaufte es dann an seine verwitwete Schwester Mina, die den Betrieb um die Jahrhundertwende an ihren Schwiegersohn Joseph Löwenich weitergab. Unter ihm wurde aus der Anlage ein großes Hotel mit Gaststätte. Der Schriftsteller Joseph von Lauff regte die Bezeichnung „Arndtruhe“ an.

Henseler-Unger zufolge wurde die ganze Gegend dort Anfang des 20. Jahrhunderts „wildromantisch“ angelegt, mit Promenadengang für Touristen, um den Bad-Charakter von Godesberg zu unterstreichen. Mittendrin das Waldschlösschen „Zur Arndtruhe“, inzwischen ein beliebtes Ausflugslokal mit Tanztees, Bällen und Konzerten. „Das war gehobene Gastronomie, jeden Mittwoch sang ein Husarenchor“, so die Heimatvereinsvorsitzende. So ging es weiter bis zur Inflation nach dem Ersten Weltkrieg. Dann musste er verkaufen, der Nachfolger erweiterte das Gebäude um einen weiteren Saal.

Dann kam der Zweite Weltkrieg, die Deutsche Wehrmacht richtete ausgerechnet in diesem gut sichtbaren Schlösschen eine Dienststelle ein – die bei einem Bombenangriff zerstört wurde. Da war nichts mehr aufzubauen. Auch die Malzmühle auf der anderen Seite des Klufterbachs ist nicht mehr da, an dieser Stelle hat jetzt das Zentralkomitee der Deutschen Katholiken seinen Sitz. Die Arndtruhe gibt es nur noch auf Bildern und alten Postkarten.

Künstler aus Friesdorf
Toni Wolter ging seinen Weg trotz Widerständen

Der Sohn des Friesdorfer Brauereibesitzers Lorenz Wolter wurde am 20. September 1875 geboren. Seinem Vater wollte er beruflich nicht nachfolgen: Anton „Toni“ Wolter liebte es zu malen, sein Werk „Sonnenaufgang“ hängt im Bad Godesberger Rathaus. Nach einigen Widerständen ermöglichten ihm seine Eltern das Studium an der Königlich-Preußischen Kunstakademie in Düsseldorf, wo er sich bis zum Abschluss durchbiss. Zwischendurch besuchte er 1900 die Weltausstellung in Paris und malte einige Monate mit anderen Künstlern.

Toni Wolter kam viel in der Welt herum, arbeitete im Ersten Weltkrieg als technischer Zeichner und machte sich später einen Namen als Landschafts- und Industriemaler. Aus zwei Ehen hatte er drei Kinder. Am 11. April 1929 starb er unerwartet in Rüngsdorf. Er ist auf dem Burgfriedhof beigesetzt. kpo

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