VHH Bad Godesberg
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Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V.

Rot-Kreuz-Flagge wehte über der Villa Böninger

Stadtarchivar berichtet von Verwendung des Hauses als Genesungsheim im Ersten Weltkrieg

(7. August 2019 General-Anzeiger Bonn)

VON SILKE ELBERN MUFFENDORF. Die Villa Böninger diente im Ersten Weltkrieg als eines von zwei Genesungsheimen in Bad Godesberg. Das sagte Stadtarchivar Norbert Schloßmacher nach einem GA-Bericht, in dem es um eine alte Postkarte ging. Diese zeigt Soldaten im Garten und war von Bernd Birkholz im Internet ersteigert worden.

Der gebürtige Lannesdorfer hatte auf ein Lazarett für Lungenkranke getippt. Die „Kriegsausgabe“ des Adressbuchs der Bürgermeisterei Godesberg von 1917 listet die Muffendorfer Villa neben der Villa Simons in Friesdorf auf. „Offenbar war es also eine Einrichtung nicht für im Kampf Verwundete, sondern für körperlich und/oder seelisch Erkrankte, die dort zur Rekonvaleszenz untergebracht waren“, glaubt Schloßmacher. Weitere Unterlagen besitze man dazu nicht, da die Einrichtungen vom Militär unterhalten wurden und nicht von den Kommunen. Aber das Stadtarchiv hat auch eine Ansichtskarte von der Villa, auf genommen ebenfalls vom Bad Godesberger Daniel Friedrich Voigt. Auf dem Dach weht laut Schloßmacher die Rot-Kreuz-Fahne, die das Ganze als eine Art Krankenhaus kenntlich machte. „Vielleicht sogar mit Blick auf auch schon im Ersten Weltkrieg stattfindende Luftangriffe“, könnte sich der Stadtarchivar vorstellen. Diesmal habe sich der Fotograf einen entfernteren Standpunkt „mit dem wunderbaren Park im Vordergrund“ gesucht. Ende der 5Oer`Jahre hatte das Gebäude dem Bau des Landesvermessungsamts Platz machen müssen. Birkholz selbst hat weiter geforscht, sich in alte Adressbücher vertieft-. „Tatsächlich fand ich- in der Ausgabe Bad  Godesberg 1917 unter der Rubrik Behörden (sic!)/Medizinal- und Veterinärwesen/Lazarettverwaltung des Reservelazaretts Godesberg noch den Hinweis auf den 0rdin. Arzt Dr. Hertmanny“, erzählte das Vorstandsmitglied des Godesberger Heimatvereins. Dieser habe im Namensverzeichnis als Dr. med. Paul Hertmanni zusätzlich unter der Adresse Deutschherrenstraße 1 gestanden, ein Grundstück gegenüber der Villa. Mindestens ab 1920 hat der „Sanitätsrat“ hier wohl normale .Sprechstunden abgehalten, später an der Bonner Gangolfstraße. In den Bonner Adressbüchern tauche Dr. Paul Jos. Hertmanni ab der Ausgabe 1914/1915 auf. Hier wird er als „Spezialarzt für Haut-, Harn- und Geschlechtskrankheiten“ geführt. „Dieses Fachgebiet könnte ebenfalls erklären, warum die Patienten auf meinem Foto keine sichtbaren Verletzungen zeigen“, so der Kartensammler. Letztmalig werde Hertmanni im Bonner Adressbuch von 1930 genannt.

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