Wappen von Bad Godesberg
VHH
Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V.

Schätze aus 100 Jahren

(18. September 2026, General-Anzeiger)

Ein eisenrotes Abflussrohr, historische Heilwasserflaschen und ein echtes Kurhaus-Schild: Zum 100. Geburtstag von „Bad“ Godesberg zeigt der Heimatverein überraschende Schätze aus der Geschichte des Kurortes. Vorsitzende Iris Henseler-Unger und ihr Vize Bernd Birkholz verraten, welche Exponate ihnen besonders am Herzen liegen

Von Ayla Jacob

Bad Godesberg. Was haben ein eisenverkrustetes Abflussrohr, ein alter Wasserkrug und eine Flasche für den südamerikanischen Markt gemeinsam? Sie erzählen Geschichte – und sind Teil der Ausstellung „Bad Godesberg 100 – Wann ist ein Bad ein Bad“, mit der der Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte (VHH) 100 Jahre „Bad“ Godesberg feiert. Vorsitzende Iris Henseler-Unger und ihr Vize Bernd Birkholz zeigen ihre persönlichen Lieblingsstücke. Dabei gibt es in den Ausstellungsräumen im Haus an der Redoute noch weit mehr zu entdecken.

■ Zwei Stiche zeigen Godesbergs Anfänge: Zwei Kupferstiche von Janscha/Ziegler sind es, die es Iris Henseler-Unger besonders angetan haben. „Es sind wirklich Originale“, so die Vorsitzende des Bad Godesberger Heimatvereins. Sie gehören zu der Reihe „Malerische Rheinreise von Speyer nach Düsseldorf“ – eine Art Reiseführer, entstanden Ende des 18. Jahrhunderts. Die Stiche „geben die Atmosphäre in Godesberg zu dieser Zeit wieder“, erklärt Henseler-Unger, warum sie zu ihren Lieblingsausstellungsstücken gehören. „Man sieht ein bisschen die Anfänge des Badeortes.“ Menschen und Brunnen inklusive.

■ Beethoven sah sie zuletzt: Weitere Werke ziehen Henseler-Unger in ihren Bann: die Supraporten aus der Redoute, kunstvoll gestaltete Gemälde. „Sie waren in Privatbesitz und sind als Schenkung zu uns gekommen“, so die Vorsitzende. Man sehe ähnliche Motive wie bei Janscha/Ziegler, so die Redoute und die kurfürstliche Zeile, aber eben in Öl auf Leinwand. „Die Supraporten werden nach langer Zeit wieder der Öffentlichkeit gezeigt.“ Und was heißt lange Zeit? „Im Prinzip zum ersten Mal“, so Henseler-Unger. In der Zeit der Redoute, bei den Bällen habe man sie vermutlich bewundern können. „Vielleicht hat Beethoven sie gesehen, aber danach wohl kaum jemand.“

■ Ein besonderer Schriftzug: Der Schriftzug „Mineralbad“ samt Verzierung hat ebenfalls das Herz von Henseler-Unger erobert. Hergestellt aus Zink, hingen beide an der Front des Kurhauses in der Brunnenallee, das 1871 gebaut wurde. Als dieses 1972 abgerissen wurde, sollten Schriftzug und Verzierung weggefahren werden, so die VHH-Vorsitzende. Dazu aber kam es nicht. Familie Gottmann aus Rüngsdorf rettete beides und stellte die Stücke nun für die Ausstellung zur Verfügung.

■ Heilwasser, Teil 1: Das Heilwasser steht beim nächsten Henseler-Ungerschen Lieblingsstück – oder besser: den Lieblingsstücken – im Mittelpunkt. In einer Vitrine in Ausstellungsraum drei stehen diverse Brunnenutensilien. Unter anderem, ganz frisch, die Jubiläumsflasche zu 100 Jahre „Bad“ Godesberg, die Familie Kalz/Fiehl vom Draitschbrunnen gemeinsam mit dem VHH entworfen hat.

Oder auch ein Wasserkrug des Trinkpavillons, „der immer unter dem Wasserhahn der Kurfürstenquelle steht“. Eigentlich aus durchsichtigem Glas, ist er rot-braun überzogen. Der Grund: das abgelagerte Eisen des Heilwassers. Das ist auch im alten Abfluss-Blei-Rohr zu erkennen. Als dieses ausgetauscht wurde, sollte es eigentlich auf den Müll. Günter Gottmann, Schlosser aus Rüngsdorf, rettete das gute Stück, das nun in der Ausstellung zu sehen ist. Wer meint, dass er durch das Rohr hindurchschauen kann, irrt: Es ist zugesetzt mit Eisen.

■ Alte Postkarten: Mehr als einen Blick wert sind laut Henseler-Unger auch die Postkarten aus der Zeit des „alten Kurpark“, so die Vorsitzende. Auf einer werde Kurpark gar noch mit „C“ geschrieben und grüßt vom „Alte Herrenfest“.

■ Großes Welttheater: Ohne sich über das Große Welttheater informiert zu haben, sollte niemand die Ausstellung verlassen, so Henseler-Unger. Dieses wurde zunächst 1926 im Redoutenpark aufgeführt, um den Kurtourismus wieder anzukurbeln und Bad Godesberg attraktiv zu machen. Mehr als 1000 Menschen aus Bad Godesberg haben mitgemacht, ein Event, das sogar überregionale Nachfrage aus dem In- und Ausland erzeugte.

Dass man darauf stolz war, davon zeugt in der Ausstellung eine Kopie der Welttheater-Ankündigung, auf der geschrieben steht „Oma hat mitgespielt“. Die Bühne war 60 Meter breit und 30 Meter hoch, ergänzt VHH-Vize-Vorsitzender Bernd Birkholz. 1927 ging das Stück in die zweite Saison, scheiterte aber kläglich – unter anderem, weil die Saison so verregnet war. Was blieb, war ein massives Defizit, das Ende der 1920er-Jahre nur durch die Bäderhilfe des preußischen Staats ausgeglichen werden konnte.

■ Heilwasser, Teil 2: Auch eine Vitrine mit alten Flaschen sollte man laut Henseler-Unger gesehen haben. Zu sehen ist unter anderem eine, in der das Bad Godesberger Wasser auf dem englischen Markt vertrieben wurde. Und auch in Chile, Peru und Bolivien fand es reißenden Absatz.

■ Das Foto mit der hineinkopierten Kuh: Das Foto der Schweizer Milchkuranstalt hat es Birkholz angetan. Vor dem Ersten Weltkrieg lag diese an der Brunnenallee. In Zeiten von Fake-Bildern sei dieses alte Exemplar besonders spannend, so Birkholz. Denn weil es sich ja um eine Milchkuranstalt handelte, wurde das Tier kurzerhand in das Foto hineinkopiert. Genau wie weitere Personen. „Man wusste halt, was man darstellen wollte“, so Birkholz mit einem Augenzwinkern.

■ Ein Bild, das Geduld verlangte: Was Birkholz außerdem zu seinen Lieblingsausstellungsstücken zählt: ein historisches Foto von der Terrasse. „Das finde ich faszinierend.“ Denn: Für den Fotografen hatten sich alle schick gemacht, „um einen guten Eindruck zu hinterlassen“. Für ein Foto samt Blitz, berichtet Birkholz, musste der Fotograf ein Pulver zünden. „Das dauerte etwas.“ Hieß für die Fotografierten: Sie durften sich lange Zeit nicht bewegen. Taten sie es doch, verschwammen sie. Auch das ist auf dem Foto zu sehen.

■ Ein Bild, das Durst macht: „Dann noch eins für die Jugenderinnerungen“, so Birkholz und zeigt auf ein weiteres favorisiertes Exponat. Das Foto zeigt den alten Pavillon, „eigentlich den mittleren“, an der Brunnenallee, dort, wo sich nun die Schmuckmauer befindet. „Das war quasi ein Gewächshaus mit riesigen Fenstern zu zwei Seiten hin.“ Im hinteren Bereich war der Ausschank, links daneben ein Automat, an dem es Tickets zu zehn Pfennig gab. „Die wurden dann noch einmal durchgeschnitten und man bekam für zehn Pfennig zwei Humpen Wasser“, erinnert sich Birkholz. „Wir kamen immer gern nach unseren Radtouren durch den Kottenforst.“ Im Sommer, verschwitzt, habe man dann am Brunnen Halt gemacht. „Und einen Krug mit einem Zug geleert.“

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