So feiert Bad Godesberg seinen 100. Geburtstag
Stadtteil in Bonn
(30. Juni 2026, General-Anzeiger)
Von Richard Bongartz
Bad Godesberg · Schiebermütze, Swing und ein Kurpark, der sich für einen Tag in die goldenen Zwanziger verwandeln soll: Kunst und Kultur Bad Godesberg plant für den 5. September ein großes Jubiläumsfest. Was genau zwischen Draitschbrunnen und Konzertmuschel passieren soll.
Ach, Du schönes Godesberg. Die Sonne scheint, und so entsteht schon jetzt Vorfreude auf ein großes Fest am Samstag, 5. September. Dabei sollte man aber bloß nicht das „Bad“ vor dem Namen vergessen, denn darum dreht sich alles. 100 Jahre ist es her, dass der heutige Stadtbezirk diese Auszeichnung bekam, die vor allem den Godesbergern, pardon Bad Godesbergern, so wichtig ist. Der Ausflug in die 1920er Jahre kann beginnen.
Musiker und Glühweinwirt Ralf Reifenberg trägt schon jetzt ein weißes Hemd und Schiebermütze. Als wolle er sagen: Wenn wir schon eine Zeitreise versprechen, dann bitte nicht nur mit einem Plakat, sondern allem, was dazugehört. Dazu gibt es kräftige Daumen nach oben. Wer mitfeiert, darf und soll es ihm nachmachen. Zeitgemäße Kleidung beim Flanieren ist erwünscht.
So soll Bad Godesberg an dem Samstag so aussehen, als wäre es gerade erst in jener Zeit gelandet. Bezirksbürgermeisterin Feyza Yildiz hat die Schirmherrschaft übernommen und macht gleich klar, dass es hier nicht um ein beliebiges Sommerfest gehe. Bad Godesberg, sagt sie, habe Strahlkraft über die Bezirksgrenzen hinaus, es sei ein Alleinstellungsmerkmal, den Stadtbezirk als Kur- und Badeort bezeichnen zu dürfen. Bad Godesberg sei grün, eine Wohlfühloase, und man wolle das pflegen und erhalten.
Das Wort feiern fällt in der gut gelaunten Organisationsrunde häufiger. Dabei geht es nicht um ein einfaches Event. Man merkt viel mehr: Das sind Leute, die sich mit der Geschichte beschäftigt haben und jetzt Lust bekommen, sie auf die Straße zu bringen. Sabine Köhne-Kayser, Vorsitzende des Vereins Kunst und Kultur Bad Godesberg (KuKuG), spricht davon, wie spannend es beim Planen gewesen sei, sich in diese Zeit zurückzuversetzen. Sie sei selbst nicht aus Bad Godesberg, sagt sie, und habe vieles erst nachlesen müssen. Sie, Peter Linden und weitere Mitstreiter wollen nun auch den anderen zeigen, den Kindern, den Jugendlichen, den Neugierigen auf den Parkbänken, wie der Ort früher war.
Der Kurpark, die Konzertmuschel, der Draitschbrunnen, der Trinkpavillon, die Redoute, das Kleine Theater: Das Fest verteilt sich über die Orte, die man in Bad Godesberg sonst eher als Spazierweg kennt. Um 12 Uhr geht es an der Quelle los, die als nette Idee gesegnet wird. Die Familie Fiehl bietet ein Wassertasting aus den Heilquellen an. Wer Bad sagt, muss auch trinken dürfen.
Dann aber mal los. Etwa bei einer Führung mit Rainer Selmann ab 13 Uhr. Um 14.30 Uhr gibt es eine weitere mit Elinor Schuckmann-Tröder vom Heimatverein Bad Godesberg. Unterwegs entdecken die Besucher immer wieder Bauzaun-Banner als kleine, unterhaltsame Geschichtsstation. Es handelt sich also um ein provisorisches Museum im Freien, das man nicht betreten muss, weil es einem beim Gehen begegnet.
Was ein Spaß – Als die Murmeln noch rollten
Für viel Spaß reichte in den 20ern eine Handvoll Murmeln und ein freier Fleck Erde. Gespielt wurde draußen, oft im Schatten der Bäume, mit einer einfachen Idee: Eine Zielmurmel oder ein kleines Loch markierte das Ziel, und wer seine Murmel am nächsten heranrollte oder ins Loch traf, bekam Punkte oder durfte Murmeln gewinnen. Murmeln klackerten über den Boden, Kinder hockten im Kreis, und wer traf, durfte sich kurz wie König fühlen. Beim Jubiläumsfest werden Kinderspiele aus der Zeit wieder aufgegriffen, darunter eben auch das Murmelspiel.
Währenddessen verwandelt sich der Park schon ab 13 Uhr in eine Bühne für alles, was nach Zwanzigern aussieht, ohne nach Kostümparty zu klingen. Kinderspiele, Bastelstation, Selfie-Spots mit historischen Accessoires, Oldtimer, historische Motorräder, Bridge, Modellschiffe, Drehorgelmusik. Dazu Walking Acts, also Menschen, die nicht nur zuschauen, sondern in die Rollen schlüpfen. Alles wird also ein bisschen schick, ein bisschen verspielt, aber immer noch typisch Bad Godesberg.
An der Konzertmuschel beginnt das musikalische Herzstück am Nachmittag. Von 14.30 bis 16.30 Uhr spielt das Beda Salonorchester Musik im Stil der Zwanziger. Danach wird Charleston vorgeführt und als Schnupperkurs angeboten, später folgt Charleston Line Dance, um 18 Uhr Bönnsche Lieder mit Volker Kriegsmann, um 19 Uhr ein Lindy Hop Schnupperkurs, und von 19.30 bis 22 Uhr spielt die eine Swingband. Wer da still sitzen will, muss sich schon echt anstrengen.
Selbst die Verpflegung wird zur Stilfrage. Köhne-Kayser sagt deutlich, es werde keine Cheeseburger geben und keine Pommes. Stattdessen orientiert man sich an dem, was damals auf den Tisch kam: Bockwurst, Kartoffelsalat und Schmalzstulle. Kaffee und Kuchen sollen auf Porzellan serviert werden. Dafür ist sogar ein Spülmobil aus Koblenz organisiert. Auch die berühmte Schwarzwälder Kirschtorte, deren Ursprung der Überlieferung nach in Bad Godesberg liegt, soll beim Fest serviert werden.
Abends soll der Kurparkweiher leuchten. Eine Illumination ist geplant, Licht rund um den kleinen See. Und anschließend fasziniert Felix Bergmann mit seiner Feuershow. Ob er auch ein bisschen zaubert?
Nicht nur das Fest soll verbinden, sondern es gibt auch ein paar Souvenirs, die das tun und auch künftig ihren Wert behalten. Da wären etwa eine Edelstahl-Trinkflasche mit Bad-Godesberg-Silhouette, ein Shirt, auf dem schlicht steht: Mein. Bad. Godesberg. Ohne Verfalldatum. Köhne-Kayser erklärt: „Wer das anzieht, steht zu seinem Stadtteil, und kann es auch nächstes Jahr noch tragen.“ Eine Backform für Kekse in Form der Burg ist auch zu haben. Reifenberg bietet Produkte immer freitags bei den Tanzabenden vor dem Bahnhof an. Mit Schiebermütze.
Das endgültige Programm ist noch im Aufbau. Geplant sind auch Veranstaltungen am Vorabend (Freitag) und Sonntag. Mehr auf www.kukug.de, info@kukug.de.
100 Jahre Bad – Titel für einen geschichtsträchtigen Kurort
Bad Godesberg feiert 2026 ein besonderes Jubiläum: Vor 100 Jahren erhielt die Landgemeinde Godesberg vom Preußischen Innenministerium per Erlass die Erlaubnis, sich Bad Godesberg zu nennen. Der Titel wurde 1925 zugesprochen, seit dem 10. Juni 1926 durfte er urkundlich geführt werden.
Die Kurortgeschichte reicht jedoch weiter zurück. Ende des 18. Jahrhunderts ließ Kurfürst Max Franz den Draitschbrunnen neu fassen und mit Kurpark, Brunnenallee und Redoute die Bäderentwicklung anstoßen. Bis heute ist diese Tradition lebendig: Heilquellen mit Trinkpavillons, Kurfürstliche Zeile und der Kurpark gehören zu den zentralen Orten des Stadtbezirks.

