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Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V.

100 Jahre Bad Godesberg

Am 5. September wird von der Brunnenallee bis zum Kurpark ein Jahrhundert „Bad“ im Namen Bad Godesberg gefeiert. Organisator ist der Verein Kunst und Kultur. Zusammen mit anderen Akteuren entstehen gerade Planungen, die das Jubiläum wirklich groß machen sollen

(9. Februar 2026, General-Anzeiger)

Von Ebba Hagenberg-Miliu

Bad Godesberg. Die Planungen für die 100-Jahrfeier des „Bades“ im Namen von Bad Godesberg am 5. September laufen. „Gedacht ist ein fröhlicher Tag rund um den Stadtpark voller Begegnung, Leichtigkeit und Spaß für Groß und Klein, an dem Geschichte nicht nur erklärt, sondern auch erlebt wird“, erklärt Sabine Köhne-Kayser für den Verein Kunst und Kultur (KuKuG). Er ist von der Bezirksverwaltung gebeten worden, den Tag zu organisieren.

An diesem Morgen Anfang Februar sitzen als ehrenamtlich Engagierte die KuKuG-Vorsitzende Köhne-Kayser, Schatzmeister Peter Linden und Heilwasser-Experte Herbert Döben mit dem Vorstand des Heimatvereins zusammen: mit der Vorsitzenden Iris Henseler-Unger und ihrem Stellvertreter Bernd Birkholz. Es geht darum, die Programmpunkte weiter zu klären.

Der Verein KuKuG hat historische Rundgänge auf der Achse Brunnen- und Kurfürstenallee geplant, kleine Kurkonzerte, gastronomische Angebote, szenische Schauspielsequenzen und Wortbeiträge in der Konzertmuschel, im Kleinen Theater und im Trinkpavillon. Die Angebote sollen sich also vom Ursprung des Heilwasserorts an der Draitschquelle in der Brunnenallee bis zum Ausschankort der zweiten, der Kurfürstenquelle im Trinkpavillon, spannen. Dazu soll es Aktionen für Kinder im Kurpark geben. „Atmosphäre werden auch Darsteller machen, die in historischer Kleidung durch den Park wandeln und mit den Besuchern über Godesbergs Bad-Geschichte ins Gespräch kommen“, erläutert Köhne-Kayser geplante „Walking Acts“. Dieses Format hatte auf dem Areal schon 2021 beim vom Verein organisierten Kurfürstlichen Beethoven-Fest gute Stimmung gemacht.

Am Planungstisch bringen nun auch die Vertreter des Heimatvereins ihre Ideen mit ein. Man werde auf jeden Fall den Programmpunkt „historischer Spaziergang“ übernehmen. So wird der Heimatverein zum Jubiläum ab Mitte September seine Ausstellung „Bad Godesberg 100 – Wann ist ein Bad ein Bad?“ im Haus an der Redoute starten. Für die Ausstellung haben ihm nach einem Aufruf im GA auch Godesberger Bürger jede Menge spannende Exponate zur Verfügung gestellt. In begleitenden Veranstaltungen wird der Verein im Herbst das historisch Interessante weiter vertiefen. Der Outdoor-Festtag am 5. September für Jung und Alt soll also auf historischem Boden schon mal Appetit auf mehr machen.

„Wir wollen die Anfänge des Kurorts nach 1790, den Neuanfang mit der Hoch-Zeit Ende des 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts, den Versuch des Neuanfangs nach dem Ersten Weltkrieg und den bescheidenen Kurbetrieb der aufstrebenden Diplomatenstadt nach dem Zweiten Weltkrieg beleuchten“, erklärt Henseler-Unger für den 5. September und das folgende Ausstellungsprojekt. Vor 100 Jahren hätten die Verantwortlichen um den Zusatz „Bad“ kämpfen müssen, um die Chance zu erhalten, erneut an die Erfolge als Bade- und Kurort in der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg anzuschließen, erinnert die Vorsitzende des Heimatvereins.

Die Kriterien für die Vergabe des „Bad“-Zusatzes habe man damals zwar erfüllt: nämlich eine Heilquelle zu besitzen, dazu Logierhäuser, Kurangebote, einen Park, Wanderwege in schöner Landschaft und eine gute Verkehrsanbindung. Aber letztlich sei es 1926 dann schwer gewesen, an die große Zeit des Kur- und Badeorts anzuknüpfen. Und dann zieht Henseler-Unger zum Heute Parallelen: Auch 2026 seien Ansätze zu erkennen, dass Bad Godesberg wieder bedeutsamer werden könne, meint sie: An der maroden Stadthalle begännen endlich die Sanierungsarbeiten. Auch im Fall des stillgelegten Kurfürstenbads gebe es Bewegung. Dazu könne der Stadtteil auf ein gutes Standing als Gesundheitsstandort verweisen – und sich, wie in der Vergangenheit, auf ein hohes Maß an bürgerschaftlichem Engagement verlassen. Am Planungstisch der Ehrenamtlichen wird genickt.

Köhne-Kayser hat für den Festtag ein Exposé erstellt, mit Hilfe dessen sie derzeit die nötigen Fördergelder einzuwerben versucht. Sie kalkuliert 15.000 Euro Kosten. „Wir freuen uns sehr, dass uns die Godesberger Bezirksvertretung 5000 Euro aus dem Feuerwehrtopf bewilligt hat. Damit können wir starten“, sagt sie. Und hat mit Henseler-Unger zusätzlich eines ihrer Kulissengespräche und dazu eine Podiumsdiskussion zur Zukunft Bad Godesbergs mit Kommunalpolitikern geplant.

Für sie stehe das Jubiläum dafür, „dass sich ein Stadtteil verändern darf, ohne sich selbst zu verlieren“, sagt Köhne-Kayser. Vor Ort treffe Geschichte auf neues Leben, alte Wege träfen auf neue Ideen. „Und genau diese Mischung macht Bad Godesberg entspannt, lebendig und einfach menschlich.“ Der Stadtteil sei es auch heute wert, die Bezeichnung „Bad“ zu behalten, pflichtet ihr Peter Linden bei. Von daher könne der Festtag auch heute ein Gewinn sein.

Für den Heimatverein fügt Bernd Birkholz hinzu: „Wenn ich von der Godesburg herunter schaue, sehe ich einen sehr grünen Stadtteil. Das haben wir dem ehemaligen Kurort zu verdanken.“ Und Herbert Döben erinnert daran, dass der Stadtteil ja vor gar nicht langer Zeit erst für seine Draitschquelle die staatliche Zertifizierung als „anerkannte Heilquelle“ erhielt. Vor gut zehn Jahren hatte der Wasserausschank in der Brunnenallee einen richtigen Schub erhalten.

Inzwischen wird die Liste der am Fest Beteiligten länger: Neben dem Heimatverein kommen die Betreiber des Draitschbrunnens, der Bridgeclub Bonn, das Kleine Theater und sein Förderverein und der Verein Lese-Kultur Godesberg hinzu.

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