Schaumburger Hof meldet Insolvenz an
Das traditionsreiche Gasthaus in Plittersdorf hat seinen Betrieb eingestellt. Wie es weitergeht, ist unklar – für viele kam das überraschend
(22. Januar 2026, General-Anzeiger)
Von Ayla Jacob
Bad Godesberg. Es ist ein Traditionsbetrieb, der seit dem 18. Jahrhundert das gastronomische Leben am Rhein bereichert: der Schaumburger Hof in Plittersdorf. Nun aber hat dessen Betreiber Insolvenz angemeldet, das Restaurant ist geschlossen. Das Verfahren wurde Anfang Januar eröffnet. Das Bonner Amtsgericht hat Rechtsanwalt Andreas Schulte-Beckhausen zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt.
Wie es mit dem Schaumburger Hof weitergeht, steht derzeit noch nicht fest. Zu möglichen Perspektiven könne man noch nichts sagen, unter anderem müssten Gespräche mit dem Eigentümer des Ensembles geführt werden, so Schulte-Beckhausen. Nur so viel: „Eine Fortführung aus eigener Kraft dürfte derzeit nicht in Betracht kommen.“ Die Löhne und Gehälter der Mitarbeiter und Beschäftigten seien aber „derzeit über das Insolvenzgeld abgedeckt“. Bis auf Weiteres ist und bleibt der gastronomische Betrieb also dicht. Wiedereröffnung in nächster Zeit: unwahrscheinlich. Eine Nachricht, die manchen Gast unvorbereitet traf. Denn auf der Webseite oder an dem alten Fachwerkhaus selbst gibt es keinen Hinweis darauf, dass das Restaurant derzeit geschlossen ist.
So stand unter anderem ein Ehepaar aus Euskirchen vor verschlossenen Türen. Die beiden wollten an ihrem Hochzeitstag im Schaumburger Hof essen gehen – wie auch schon in den Jahren zuvor. Denn das große Fest, so berichtet die Frau, habe damals in Plittersdorf stattgefunden. Seither habe man den großen Tag nirgendwo anders verbracht. Unverrichteter Dinge – und unter großem Bedauern – fuhren die beiden schließlich wieder in Richtung Euskirchen.
„Seit Corona ist nichts einfacher geworden“, sagte Schulte-Beckhausen zu den Gründen. Hinzu kämen gestiegene Energie- und Materialkosten sowie das Thema Mindestlohn auf der einen, der Fachkräftemangel auf der anderen Seite. Zwar sei die Mehrwertsteuer mittlerweile wieder gesenkt worden, diese Maßnahme aber komme für den Schaumburger Hof zu spät. „Die Einnahmen reichten nicht mehr aus, um sämtliche Kosten zu decken.“ Generell gelte: Seit Corona hätten sich viele Mitarbeiter in der Gastronomie anderweitig orientiert. Diese kämen nicht mehr zurück. „Es sind qualifizierte Arbeitskräfte da, aber nicht genug“, so der vorläufige Insolvenzverwalter. Restaurants und ähnliche Betriebe reagierten mit verkürzten Öffnungszeiten und mehr Ruhetagen.
Außerdem habe der Mindestlohn weitere Kosten nach sich gezogen. So hätten Mitarbeiter, die unter dem aktuellen Mindestlohn lagen, quasi eine verordnete Gehaltserhöhung erhalten. Die Folge: Die, die darüber lagen, forderten auch mehr Geld. „Um diese im Betrieb halten zu können, muss auch deren Gehalt erhöht werden“, beschreibt Schulte-Beckhausen. Das alles könne man eins zu eins auf den Schaumburger Hof übertragen.
Die Geschichte des denkmalgeschützten Fachwerkensembles in Plittersdorf geht auf das Jahr 1755 zurück. Schon immer war der Schaumburger Hof ein Gasthaus, bis nach dem Ersten Weltkrieg trug es den Namen „Unter den Linden“. Trotz der unmittelbaren Rheinlage und der damit verbundenen Hochwassergefahr war die Lage günstig. Schließlich befand sich dort eine Treidelstation zur Auswechslung der Pferde, die die Schiffe von Wesseling nach Kripp rheinaufwärts zogen. Außerdem lag (und liegt) die Niederdollendorfer Fähre in unmittelbarer Nähe, genau wie Anlegestellen der Passagierschiffe.
„Um 1830 endete das Treideln. Die Anlegestellen für die Fähre und die Dampfer wurden um 1900 südlicher an die Bastei verlegt. Bonner Studenten und Rheintouristen entdeckten jedoch bereits im 19. Jahrhundert das romantische Gasthaus“, ist im ersten Band der Godesberger Heimatblätter, herausgegeben vom Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg, zu lesen.
Dieser hat auch eine Infotafel am Aufgang zum Biergarten angebracht, auf der die wichtigsten historischen Eckdaten vermerkt sind.
Übrigens: In das Gasthaus kehrten viele berühmte Gäste ein. Darunter Ernst Moritz Arndt, Friedrich III., Alexander von Humboldt, Friedrich Nietzsche, Adele Schopenhauer und Annette von Droste-Hülshoff.

