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Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V.

Acht Vereine harren im Rathaus aus

Stadt will Immobilie verkaufen. Mieter haben noch keine Kündigung erhalten

(10. Mai 2017 General-Anzeiger Bonn)

VON KATHARINA WEBER

BAD GODESBERG. Eigentlich wollte der Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg bis Ende 2016 aus dem Bad Godesberger Rathaus ausgezogen sein. Die Schadstoffbelastung der Räume und die mögliche Neuvermarktung  des  Gebäudes  waren zwei Gründe dafür. Ein Ersatz für den Heimatverein stand schon bereit: Die Schwestern Anneliese und Ilse Gernhard hatten ihm ein Haus in der Augustastraße vererbt. Doch wegen Schwierigkeiten bei der Verwaltung des Erbes der beiden Damen wurde daraus bisher nichts, berichtete der Heimatverein-Vorsitzende Martin Ammermüller.

Die Erben hätten ein Aufgebotsverfahren veranlasst, so Ammer-müller. Mit diesem Verfahren können Erben sich finanzielle Sicherheit verschaffen, da es Nachlassgläubiger vom Erbe ausschließt, die ihre Forderungen nicht anmelden. Die Frist der Gläubiger sei Ende März 2016 abgelaufen. Das Elternhaus der Gernhards könne nur der Anwalt der Erben endgültig auf den Verein übertragen. Bis dieser Kontakt aufnimmt, heiße es warten. Danach müsse das Haus zunächst renoviert werden, unter anderem Fenster und Rollläden. Ammermüller rechne daher mit einem Umzug „irgendwann im Sommer“.

Eine Frist zum Auszug gibt es laut Stadt nicht

Aktuell bewohnt der Verein zwei Räume mit 80 Quadratmetern Nutzfläche im rückwärtigen Parkflügel. „Mit viel Lüften geht das“, scherzte Ammermüller im Hinblick auf die Schadstoffbelastung. Die Räumlichkeiten im Alt- und Neubau des Rathauses nutzen außerdem sieben Parteien: Bürger für Beethoven, der Tüv Rheinland, der Weiße Ring, die DRK Schuldnerberatung, der Bundesverband Bildender Künstler (BBK), die Caritas Sozialberatung und die Oppelner Heimatstube. Eine Frist zum Auszug gibt es laut Stadt nicht.

An einem runden Tisch wurden vergangenes Jahr drei Konzepte für die zukünftige Nutzung des Rathauses vorgestellt. Zur Diskussion standen ein interdisziplinäres Facharztzentrum und die Nutzung als Reha-Klinik, sowie eine Kombination aus beidem (der GA berichtete). Die Independent Bonn International School (Ibis) interessierte sich darüber hinaus für die anderen Gebäude der kurfürstlichen Zeile, die Pläne sind aber mittlerweile auf Eis gelegt.

Die Stadt stehe nach wie vor im Kontakt mit einem „namhaften Interessenten aus dem Gesundheitsbereich“, bestätigte Pressesprecher Marc Hoffmann. Ende Januar habe es zudem eine Besichtigung durch Vertreter einer Wissenschaftseinrichtung gegeben. Generell lege die Stadt Wert darauf, dass etwaige zukünftige Nutzer der Gebäude den Standort beleben.

Momentan führe die Stadt Gespräche mit den Interessenten, bei denen eine Reihe noch offener Fragen geklärt werden müsse. Mehr will sie zum Stand der Planungen nicht bekanntgeben. „Wenn die offenen Fragen geklärt sind, werden wir zeitnah der Politik einen Vorschlag zur weiteren Vorgehensweise unterbreiten“, erklärte Hoffmann. „Hierbei soll vorher auch der Runde Tisch einbezogen werden.“

Viele der verbleibenden Mieter bestätigten auf Anfrage, dass die Stadt Bonn sich bis jetzt noch nicht mit ihnen in Verbindung gesetzt habe.

Bürger für Beethoven ist mit 1500 Mitgliedern einer der größten Kulturvereine in Bonn. Vorsitzender Stefan Eisel zeigte sich entspannt angesichts der im Raum stehenden Ideen. Bisher habe keine offizielle Stelle den Verein auf einen möglichen Umzug angesprochen. Gedanken über alternative Räumlichkeiten mache er sich deshalb nicht.

Der Opferschutzverein Weißer Ring hat im Rathaus seine Bonner Außenstelle, die den betreuten Opfern einen neutralen Ort bietet, sich mit seinen knapp 20 ehrenamtlich tatigen  Mitarbeitern  zu  treffen. Über eventuelle Umzugspläne habe er nur aus der Presse gewusst, sagte Alexander Poretschkin, Leiter der Außenstelle. Bisher nutze der Verein den Raum mit Unter Stützung des Pförtners weiter wie gewohnt. „Ich habe keinen Anlass zu zweifeln, dass uns die Stadt auch zukünftig positiv unterstützt. Dass gegebenenfalls irgendwann in Zukunft ein Ortswechsel ansteht, mindert nicht unsere Dankbarkeit für die grundsätzliche Unterstützung.“

Seit 35 Jahren beherbergt das Rathaus das Mini-Museum „Oppelner Heimatstube“. Verkaufspläne, aus denen nichts wurde, habe es vor 15 Jahren schon gegeben, so Bernhard Wieczorek vom Bund der Oppelner Bonn. Verkaufspläne, aus denen nichts wurde, habe es schon vor 15 Jahren gegeben, so Bernhard Wieczorek vom Bund der Oppelner Bonn.

Der Tüv Rheinland hält in Raum 115 montags von 13 bis 15.30 weiterhin die  theoretische  Führerscheinprüfung ab. Wegen der Neuvermarktung habe es „keine Benachrichtigung seitens der Stadt Bonn gegeben“, meinte Wolfgang Partz, Pressesprecher Mobilität. Der TÜV Rheinland sei mit dem Standort „sehr zufrieden“ und wolle dort verbleiben.

Die Caritas nutzt das Rathaus für Sozialberatung und ist vor kurzem vom Hinter- ins Vorderhaus gezogen, so die leitende Pressesprecherin Mechthild Greten. „Eine Suche nach alternativen Räumen in Bad Godesberg blieb erfolglos. Über Fristen und Umzugspläne ist uns nichts bekannt“, berichtet sie weiter.

Seit 2008 sitzt der Kunstverein BBK Bonn/Rhein-Sieg mietfrei im Hinterhaus. In ihrer Etage seien alle anderen Räume bereits leer, teilte Almut Leib, 1. Vorsitzende des Regionalverbands mit. Wegen der Schadstoffbelastung mache sie sich keine Sorgen: „Asbest wird erst wirksam. wenn man Löcher in die Wände hämmert, was wir nicht tun.“ Ein Auszug aus dem Rathaus wäre für den Verein, der sich aus-schließlich durch Mitgliedsbeiträge finanziert, hingegen „eine Katastrophe“. Wenn die geringen finanziellen Mittel für die Miete ausgegeben werden müssten, wäre für die Finanzierung internationaler Projekte,  von Austauschen und des Jugendkunstpreises kein Geld mehr übrig, befürchtete Leib.

Die Schuldnerberatung des Deutschen Roten Kreuzes meldete sich auf mehrfache Anfragen nicht zurück.

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