VHH Bad Godesberg
VHH
Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V.

Muffendorf

(Alphabetische Aufzählung der Ortsteile und Straßen * = Infotafel geplant ** = Infotafel vorhanden. Jeweilige Nr. im „Spaziergang durch Muffendorf“ ist vermerkt)

Muffendorf liegt am Hang des Lyngsbergs und gewährt einen phantastischen Ausblick auf das gegenüber liegende Siebengebirge. Die erste urkundliche Erwähnung „Moffendurp“ stammt aus dem Jahre 888, doch römische Funde zeigen eine viel frühere Besiedelung. Das alte Dorf wird durch seine Fachwerksgehöfte sowie die Kommende und die alte Kirche St. Martin, die erstmals 913 erwähnt wurde, geprägt. Das Dorf lebte bis gegen das Ende des 19. Jh. vom Weinanbau, der wegen der Reblaus dann durch Pfirsichanbau ersetzt wurde. Inzwischen hat die Landwirtschaft keine Bedeutung mehr und auf fast allen freien Flächen stehen Häuser. In Muffendorf leben rd. 3.600 Einwohner.

Gringstraße (zwischen Muffendorfer Hauptstraße und Deutschherrenstraße)

Muffendorfer Kelterhaus**, Hausnr. 3/5 (Nr. 3 im Spaziergang)
Über den Weinbau in Muffendorf berichtet bereits eine Urkunde von 1270. Statt des ursprünglich roten Spätburgunders wurde später roter Frühburgunder angebaut, weil dieser hier besser reift. Ende des 19. Jahrhunderts beendete die Reblaus den Weinbau fast völlig. Stattdessen wurde Obstbau, insbesondere Pfirsiche, betrieben. Auf Initiative der Eigentümer des Kelterhauses wird seit 1972 in Muffendorf wieder Wein, jetzt roter „Regent“, unter der Lagebezeichnung „Muffendorfer Klosterberg“ angebaut und gekeltert. Dazu wurden auch die Weingärten hinter dem Kelterhaus und vor dem Siegburger Hof angelegt. Das aus dem 19. Jahrhundert stammende Kelterhaus hatte zu ebener Erde die Weinpresse, außerdem besitzt es noch einen Weinkeller. Das zur Straße gelegene Gebäude mit dem Einfahrtstor und die rechts und links vor der Kelter gelegenen Fachwerkhäuser waren Wohngebäude und stammen aus dem 18. Jahrhundert.

Hopmannstraße (zwischen Muffendorfer Straße und Am Gäßchen)

Kleine Beethovenhalle*, Hausnr. 22, (Nr. 2 im Spaziergang)
Die Halle wurde 1896 durch Wilhelm Weinreis für den Gastwirt Mathias Schneider errichtet. Dieser nannte sie „Kaiserhalle“, später wurde sie aber meist nach dem jeweiligen Betreiber benannt. Gegen Ende des 20. Jh. bürgerte sich der Name „Kleine Beethovenhalle“ ein, weil sie in ihrer Bauweise und ihrer guten Akustik an die 1944 zerstörte Bonner Beethovenhalle erinnert.
Die Halle besteht aus einem höheren Mittelschiff, dessen Oberfenster für die Beleuchtung sorgen, und zwei niedrigeren Seitenschiffen, hat also einen basilikalen Grundriss. Das 8 m breite und 9 m hohe Mittelschiff mit der offenen Decken-konstruktion wird von insgesamt 12 Holzpfosten in zwei Reihen getragen. Im westlichen Teil wurde eine große Sängerempore eingebaut, später kam eine Bühne hinzu. 1990 wurde das denkmalgeschützte Gebäude restauriert und um das Eingangsgebäude ergänzt.
(Zur Geschichte der Kleinen Beethovenhalle s. Godesberger Heimatblätter 28, S. 138–154.)

Klosterbergstraße (zwischen Goldbergweg/Muffendorfer Straße und Muffendorfer Hauptstraße)

St. Martinskirche**, Hausnr. 6 (Nr. 9 im Spaziergang)
Die St. Martinskirche wurde nach Plänen des Bonner Baumeisters Anton Becker als dreischiffige Kirche im neugotischen Stil gebaut und 1895 geweiht. Aus der Alt-St. Martinskirche wurde eine Glocke von 1514 übernommen. Ebenso eine um 1500 entstandene Beweinungsgruppe, die Maria mit dem toten Jesus, ihrer Mutter Anna, Maria Magdalena und Johannes zeigt.
Die Turmhalle wurde von dem expressionistischen Kirchenmaler Peter Hecker (1884-1971) als Sieben-Schmerzen-Kapelle in Erinnerung an die Toten der beiden Weltkriege 1960 neu gestaltet. 1967 wurde die Stahlhut-Orgel aus dem Jahr 1912 durch eine Orgel aus der Bonner Werkstatt Klais ersetzt. Die Ausstattung wurde 1983 um Altar und Ambo (Lesepult) ergänzt; 1987 kam ein Kreuzweg aus Tonkeramik hinzu. 2012 wurde die Kirche einer sehr gelungenen Sanierung unterzogen.

Martinstraße (zwischen Steingasse und Muffendorfer Hauptstraße)

Malerwinkel**, Hausnr. 3/5 (Nr. 6 im Spaziergang)
Der einmalige Blick zwischen den beiden schmalen Fachwerkhäusern und durch den Torbogen zu der Alt-St. Martinskirche mit ihren vielfältig gestaffelten Bauteilen war schon früh ein beliebtes Motiv für Maler. Daher wird dieses Ensemble „Malerwinkel“ genannt.
Das linke Haus ist bereits in dem Atlas von Mathias Ehmann aus dem Jahre 1759 dargestellt. Damals war das Haus noch eingeschossig und die erste Schule von Muffendorf. Der kleine Schulraum diente gleichzeitig als Wohnraum des Lehrers, der auch Küster war. Das rechte Haus wurde erst im 19. Jh. gebaut und in dieser Zeit wie auch das linke Haus aufgestockt. Trotz verschiedener Renovierungen weisen beide Häuser noch das alte konstruktive Gefüge auf. Eine Besonderheit des linken Hauses ist, dass der hintere Giebel auf der Kirchhofmauer aufsteht.
(Zur Geschichte der Häuser s. Godesberger Heimatblätter 25, S. 118–120.)

Siegburger Hof**, Hausnr. 12 (Nr. 5 im Spaziergang)
Der Hof war Teil des Muffendorfer Königsgutes, dessen Einkünfte durch König Lothar II. zu einem 9. Teil (Nona) dem Marienstift in Aachen übertragen wurden. Dies wurde in der ältesten überlieferten Urkunde zu Muffendorf aus dem Jahre 888 bestätigt. Erzbischof Anno II. von Köln überließ den Hof der von ihm in Siegburg 1064 gegründeten Benediktinerabtei. Der Hof wurde für die rechtsrheinische Abtei das Verwaltungszentrum für ihren umfangreichen linksrheinischen Besitz. Zum Hof gehörten Acker- und Weinbauland, die Wattendorfer Mühle und auch Nutzungsrechte am Kottenforst.
Der Siegburger Hof wurde während der Franzosenzeit 1804, wie das meiste kirchliche Eigentum, zu Gunsten des Staates privatisiert. Nach 1968 wurde der Hof stilgerecht renoviert; der am Hang vor dem Haus von der Familie Diederichs 1972 angelegte Weinberg erinnert an das frühere Aussehen des Dorfes.
(Zur Geschichte des Siegburger Hofs s. Godesberger Heimatblätter 25, S. 29–35.)

Alt-St. Martinskirche**, Hausnr. 7 (Nr. 7 im Spaziergang)
Die Kirche wurde erstmals im Jahre 913 urkundlich genannt. Sie steht vermutlich über Resten eines römischen Tempels, der der Göttin Diana geweiht war. Denn ein entsprechender Weihestein aus dem 2. Jh. war in einem Seitenaltar eingemauert. (Eine Nachbildung des Weihesteins steht am Treppenabgang zum Remi-Baert-Platz.) Anfang des 13. Jahrhunderts wurde die ursprüngliche Saalkirche durch einen zweischiffigen Neubau mit romanischer Apsis ersetzt. Die Kirche wurde 1635 und 1746 erweitert.
Bei einer Restaurierung im Jahr 1911 wurde die Ausstattung des 17./18. Jahrhunderts zu Gunsten einer Rekonstruktion des ursprünglich romanischen Zustandes beseitigt. Nach dem Bau der neuen St. Martinskirche 1895 wird die Kirche weiter als Tauf-, Hochzeits- und Friedhofskapelle genutzt. Darüber hinaus finden hier Kunstausstellungen und Konzerte statt.
(Zur Geschichte der Kirche s. Herbert Strack, Die alte Sankt-Martins-Kirche zu Muffendorf, VHH 1999.)

Muffendorfer Hauptstraße (zwischen Bürvigstraße/Waasemstraße und Benngasse/Lyngsbergstraße)

Gaststätte mit Tanzsaal (Schneider-Rausch) *, Hausnr. 22 (Nr. 1 im Spaziergang)
Zum Ende des 19. Jh. waren Gaststätten der wichtigste Ort, Neuigkeiten auszutauschen sowie Geselligkeit und Gemeinschaft zu pflegen. Der Wirt Mathias Schneider hatte 1879 sein Haus um ein Stockwerk in Fachwerkbauweise erhöht und dort einen Tanzsaal eingerichtet, der auch für andere Veranstaltungen genutzt wurde. Als der Wirt der schräg gegenüber liegenden „Post“ 1896 einen größeren Tanzsaal errichtete, baute Schneider gleichzeitig auf seinem hinteren Grundstück die „Kaiserhalle“, nun „Kleine „Beethovenhalle“ genannt und von der oberen Hopmannstraße zugänglich.
Ursprünglich bestand das Gebäude aus drei Häusern, was an dem unterschiedlichen Fachwerk und an den verschieden ausgerichteten Giebeln erkennbar ist. Das Gast- und Wohnhaus hat seitliche Giebel und seine Traufe (Tropfkante) liegt an der Straße, während das linke Haus seinen Giebel zur Straße hat.
(Zur Geschichte der Gaststätte s. Godesberger Heimatblätter 28, S. 138–154)

Weinhaus Muffendorf*, Hausnr. 37 (Nr. 3 im Spaziergang)
Der besondere Reiz der Muffendorfer Hauptstraße liegt darin, dass sie abwechslungsreich von Fachwerkgebäuden ganz unterschiedlicher Art gesäumt wird. Neben großen Gehöften reicher Bauern stehen kleine Häuschen, die früher für die Familie eines Landarbeiters ausreichen mussten. Die Binnenhöfe der größeren Gehöfte sind nicht offen zur Straße, sondern zum Schutz geschlossen. Dabei werden diese Höfe von bis zu vier Gebäuden (Flügeln) umsäumt. Die Giebel einiger Häuser sind zur Straße ausgerichtet, während andere Häuser ihre Giebel seitlich haben und die Traufe (Tropfkante) zeigen.
Das Weinhaus Muffendorf ist ein früheres Wohnhaus, das mit einem kleinen Häuschen vereinigt wurde und zu beiden Seiten ganz unterschiedliche Höfe ausweist. Der enge Flur und die niedrige verwinkelte Gaststube mit Kamin versetzen den Besucher um mehr als 100 Jahre zurück.

Muffendorfer Kommende*, Hausnr. 57–89 (Nr. 5 im Spaziergang)
Der Deutsche Orden baute hier um 1280 eine Niederlassung (Kommende). Der Orden war von Kreuzfahrern 1190 zunächst als Spitalorden gegründet worden, wurde aber kurz darauf ein geistlicher Ritterorden. Im 13. Jh. errichtete der Orden im Baltikum sogar einen eigenen Staat. Die Kommenden dienten zur Verwaltung des Besitzes und als Unterkunft für die Mitglieder. Um 1720 wurde in Muffendorf ein neues Haupthaus gebaut, das in seiner Gliederung und Bausubstanz weitgehend mit dem Mittelteil des heutigen Haupthauses übereinstimmt. Die niedrigeren Hausreihen waren Wirtschafts- und Gesindegebäude.
In der Franzosenzeit wurde die Kommende 1803 wie das meiste geistliche und kirchliche Gut zu Gunsten des Staates privatisiert (Säkularisation). Bis 1999 diente die Kommende als Residenz des belgischen Botschafters. Dann wurde sie bis 2009 denkmalsgerecht zu einer Eigentums-Wohnanlage umgebaut.
(Zur Geschichte der Kommende s. Godesberger Heimatblätter 29, S. 163–166 und 44, S. 65-72.)

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