VHH Bad Godesberg
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Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V.

Zurück in die Zukunft

Das Schicksal Bad Godesbergs ist in Bonner Händen

(Juni 2018 Blickpunkt Bad Godesberg  Stadtmagazin 2018/2019)

Das Stadtmagazin blickt zurück in die Zeit vor 50 Jahren, in der Bad Godesberg nach Bonn eingemeindet wurde. Die historischen Angaben stammen vom Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e. V, namentlich von dessen Vorsitzendem Martin Ammermüller. Wir danken Herrn Ammermüller für seine Darstellung der Bad Godesberger Geschichte.

Neun Klagen waren beim Verfassungsgerichtshof des Landes Nordrhein-Westfalen in Münster eingereicht worden. Alle sollten sie vor 50 Jahren verhindern, dass Bad Godesberg in Bonn eingemeindet wurde. Und alle wurden abgeschmettert, weil das neue Recht als verfassungsmäßig angesehen wurde. Mit Wirkung vom 1. August 1969 war Bad Godesberg Stadtbezirk von Bonn. Damit endete die Selbständigkeit, die zuvor von 1935 an gegolten hatte. Hans Kleinpass schreibt etwa in den „Godesberger Heimatblättern Nr. 23 von 1985, S. 113 „von dem „blühenden, voll funktionsfähigen, räumlich überschaubaren und noch sehr bürgernahen Gemeinwesen mit rund 70.000 Einwohnern“, das zugunsten einer größeren Einheit aufgegeben werde.

Wie sich die Bilder gleichen: Heute behaupten ebenfalls viele, Bad Godesberg ginge es besser, wenn es nur selbständig wäre. Martin Ammermüller, Vorsitzender des Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e. V. gibt einen Abriss der Entwicklung Bad Godesbergs: „Hier floriert heute alles. Das hier war immer eine Dienstleistungsgesellschaft, Industrie gab es nie. Das gilt dank Telekom und Post bis heute. Und die Leute fühlen sich wohl hier. Heimat ist doch, wo sich der Einzel­ne wohl fühlt und sein Einkommen hat.“ Das gilt ohne Zweifel für das heutige Bad Godesberg, ob Zugezogen oder Alteingesessen.

Godesberg brauche eine neue Identität, sagen manche. Bei den Franzosen war in Godesberg nach übereinstimmenden Berichten von Historikern keine Entwicklung spürbar. Bei den Preußen auch nicht. Erst als sich der Ort zur Bäderstadt entwickelte, beim Bürgermeister Dengler um 1900, tat sich was. Was der Bäderstadt folgte, war die politische Hauptstadt Bonn mit ihrem Ortsteil Bad Godesberg. Übrigens gerade von den Bad Godesbergern beargwöhnt und nicht unbedingt willkommen. Zwar haben viele an den Diplomaten gutes Geld verdient, aber geliebt haben sie die Auswärtigen nicht. Klar der eigenen Bedeutung mag es schmeicheln, wenn politische Prominenz in Bopnn weilt. Bad Godesberg hat aber immer mit seiner eigenen Prominenz gehadert.

Sei der Steinzeit lebten hier Menschen. Der Name Godesberg geht auf eine Kultstätte zur Verehrung des Gottes Wotan zurück (Wodansberg). Die Kölner Kurfürsten und Erzbischöfe beeinflussten maßgeblich die Entwicklung des Dorfes Godesberg. Nach völliger Zerstörung tat Max Franz von Habsburg am meisten für eine gedeihliche Entwicklung. 1794 floh er vor den Franzosen. Die kurze Blüte unter seiner Ägide war vorbei. Es folgten die Franzosen, die Preußen und der Beginn der neuen Zeitrechnung mit dem Wandel hin zum Kur- und Bäderort. Dann die Politik. Und heute?

Aktuell ist interessant, wie die Godesberger ihre Zukunft selbst gestalten. Ein aktuell laufendes Beteiligungsverfahren soll dazu Aufschluss geben.  Die Bürger sind als Entscheidungsträger für die Entwicklung ihrer eigenen Ortsteile gefragt. Um damit die Zufriedenheit zu finden, die zu finden man in seiner Heimat Bad Godesberg erwarten darf. Martin Ammermüller vermutet die Ursache der oft erlebten Unzufriedenheit in dem Wunsch, stärker beachtet zu werden und Orientierung sowie Sicherheit finden zu wollen. Sicherheit und Zukunft schließen einander aus. Was Morgen ist, weiß heute niemand. Ein Zurück in die Zukunft kann es nicht geben. Es kommt halt darauf an, seine Chan­cen zu nutzen.

Herzlichen Glückwunsch zum 50., in und mit Bonn! Und eine gute Zukunft für Bad Godesberg.

Harald Weller

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