VHH Bad Godesberg
VHH
Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V.

Der Kesselskuchen hat in Bonn viele Namen

Sprachwissenschaftler Cornelissen spricht auf der Mitgliederversammlung des Heimatvereins. Ammermüller als Vorsitzender bestätigt

(16. April 2018 General-Anzeiger Bonn)

VON STEFAN HERMES

BAD GODESBERG. Vorstandswahlen und der Vortrag des Sprachwissenschaftlers Georg Cornelissen über Varianten des rheinischen Platts hatten hundert Gäste zur Versammlung des 900 Mitglieder starken Vereins für Heimatpflege und Heimatgeschichte (VHH) in die Stadthalle gelockt.

 

Nachdem Martin Ammermüller als Vorsitzender des Vereins den Tätigkeitsbericht 2017 abgelegt hatte und zusammen mit Schatzmeister Bernd Birkholz und dem gesamten Vorstand entlastet wor­den war, kam es zur Wahl des neuen Vorstands. Ammermüller erklärte sich nach neun Jahren ein „allerletztes Mal“ bereit, den Vorsitz mangels Nachfolger zu übernehmen, und wurde, wie auch die bisherigen Vorstandsmitglieder, einstimmig wiedergewählt. Mit Birkholz gibt es nun auch wieder einen Stellvertreter für den Vorsitzenden. Joachim Tintelnot übernahm von ihm das Amt des Schatz­meisters.

Einige Besucher der auch von Nichtmitgliedern besuchten Versammlung kamen vor allem, um den Vortrag von Georg Cornelissen vom LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte zu hören. Sein Thema der „zwischenörtlichen Unterschiede und innerörtlichen Varianten des rheinischen Platts in Bad Godesberg“ stieß auf großes Interesse der, offenkundig meist noch das Platt beherrschenden, Zuhörer. Unter ihnen auch der Ehrenvorsitzende des VHH, Karl-Josef Schwalb, der bereits einige Abhandlungen über die rheinische Mundart im Heimatblatt des Vereins veröffentlicht hat. In einem Vorgespräch bedauerte er, die Mundart im Aussterben zu sehen. „Ich erlebe das ja bei meinem 23-jährigen Enkel. Und selbst der 58-jährige Sohnemann versteht noch etwas, aber da ist nichts mehr!“,

sagte er. Ganz das Gegenteil sei der Fall, vermittelte der lebendige Vortrag des LVR-Sprachforschers. In wissenschaftlichen Erhebungen mit Hilfe Hunderter Fragebögen ist er mit seinen Kollegen den Variationen der Dialekte auf der Spur. Ein einheitliches Bönnsch gibt es danach nicht. Das zeigte er am Beispiel der unterschiedlich ermittelten Ausdrücke für den im Rheinland bekannten „Kesselskuchen“ auf, bei dem nicht nur die Rezepte variieren. Alle enthalten aber Kartoffeln, Zwiebeln und Speck. In Bonn gibt es für den Kesselskuchen mindestens fünf verschiedene Bezeichnungen: Kesselskoche, Döppekoche, Küles (oder Knüles), (Diejels, Kessels-) Knall oder Knällche und Puttes.

Katharina Rempel vom LVR-Institut hatte 2011 dazu eine Karte angefertigt, die Cornelissen mit weiteren Grafiken und Beispieltexten an seine Zuhörerschaft verteilte. Darauf war durch farbig segmentierte Kreisdiagramme erkennbar, wie sich die unterschiedlichen Bezeichnungen über das Bonner Stadtgebiet verteilen: In Bad Godesberg und Wachtberg liegt der Ausdruck Knüles oder Küles mit Abstand vorne. Im Süden und Westen der Bundesstadt Bonn spricht man eher vom Döppekoche, eine Bezeichnung, die wiederum im Norden der Stadt oder auch in Beuel weniger bekannt ist. Hier holt man den Knall oder das Knällche aus dem Ofen.

Das Fazit des Sprachforschers: „Wenn Sie von Bad Godesberg nach Buschdorf umsiedeln, dann müssen Sie, wenn Sie Platt sprechen wollen, umlernen.“

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