VHH Bad Godesberg
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Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V.

Kurfürstenquelle sprudelt wieder

Förderverein schenkt Wasser kostenlos aus.
Das Heilwasser der Draitschquelle wird immer beliebter

(25. Juli 2017 General-Anzeiger Bonn)

VON MICHAEL WENZEL
BAD GODESBERG. Wer weiß, was aus dem Godesberger Wasser geworden wäre, wenn nicht Brunnenmeister Helmut Fiehl vor 39 Jahren gemeinsam mit seiner Frau den Trinkpavillon an der Brunnenallee errichtet hätte? Nächstes Jahr kann sich der 78-Jährige auf das 40-jährige Bestehen seines „Babys“ freuen. Gerade eben hat er rund 20000 Euro in den Pavillon gesteckt, um das Dach zu sanieren, eine neue Tür einzubauen und dafür zu sorgen, dass der Pavillon auch nachts beleuchtet ist. „Mir ging es sowohl um die Erhaltung als auch um die Verschönerung des Pavillons“, sagt er. „Und jetzt sieht alles super aus“, freut er sich.

Gerade zwei Jahre ist es her, dass der Bad Godesberger Heimatverein, pünktlich zum 225. Jahrestag der Eröffnung des Draitschbrunnens durch den letzten Kurfürsten Max Franz, mit der Neugestaltung der alten Schmuckmauer aus dem Jahr 1873 das lange vernachlässigte Gelände erheblich aufwertete und zu einem neuen Schmuckstück auf historischem Godesberger Gelände machte. Da passte es auch, dass gleichzeitig die offizielle Anerkennung als Heilquelle durch die Bezirksregierung Köln erfolgte, die in Form einer Messingtafel im Pavillon angebracht wurde. „Seither läuft es auch deutlich besser“, meint Fiehl. In den Sommerferien werde es natürlich ein bisschen ruhiger, aber über fehlende Kundschaft könne er sich nicht beklagen: „Da kommen sogar Kunden aus Xanten“, erzählt er stolz. Etwa 80 Prozent der Kundschaft entscheidet sich im Hause Fiehl für die Draitschquelle. „Die Kunden schätzen das Spritzige an dem Wasser und das Hydrogencarbonat, das Säure so gut binden kann wie Medikamente, die man bei Sodbrennen verabreicht.“

Da trifft es sich gut vor diesem Hintergrund, dass seit wenigen Tagen auch die Kurfürstenquelle im Pavillon im Kurpark wieder reaktiviert wurde. Der neu gegründete Förderverein „Bürger.Bad.Godesberg“, der, wie berichtet, in den

vergangenen Wochen den Pavillon wieder auf Vordermann gebracht hat, hat jetzt damit begonnen, Wasser aus der Kurfürstenquelle auszuschenken. Ein Team von Freiwilligen übernimmt dabei an drei Tagen in der Woche den Ausschank. „Je mehr Freiwillige sich melden“, so Wolfram Kuster vom Förderverein, „desto weiter können wir auch die Öffnungszeiten noch weiter ausdehnen. Das Interesse ist auf alle Fälle gegeben“, zeigt sich Kuster, der tatkräftig bei den Reinigungsaktionen mitgeholfen hat, überzeugt. Ein beauftragtes Institut habe gerade erst die „Unbedenklichkeit“ des Quellwassers bescheinigt. Wert legt der Förderverein darauf, dass das Wasser kostenlos   ausgeschenkt wird. Spenden dafür sind allerdings sehr willkommen. Außerdem will der Förderverein den Trinkpavillon (den sogenannten Kursaal) und die Umgebung durch kulturelle Nutzung beleben. Dabei reiche die Palette von Veranstaltungen wie „Musik im Park“ bis hin zu Ausstellungen und Lesungen im Pavillon. „Wasser bedeutet Leben“, sagt Kuster. Also müsse man in den denkmalgeschützten Pavillon, der im Übrigen „absolut vorzeigbar“ sei, wieder Leben reinbringen. Für Fiehl ist eines wichtig: „Wir müssen auf alle Fälle beide Quellen erhalten, denn: Wer hat schon so ein Wasser?“

Öffnungszeiten im Draitschbrunnen: Montag bis Freitag 13.30 bis 18 Uhr, Samstag 9 bis 14 Uhr. Öffnungszeiten im Kurpark: Dienstag, Mittwoch und Samstag von 11 bis 14 Uhr. Kontakt für ehrenamtliche Helfer: Joachim Schäfer, Telefon 0177/5761742

Das Godesberger Heilwasser

Die Geschichte des Heilwassers ist ausführlich im Buch „Ferdinand Wurzer und die Gründung des Godesberger Gesundbrunnens“ von Georg Schwedt dokumentiert. Der Chemieprofessor schildert anhand zahlreicher historischer Dokumente, warum die Draitschquelle das wichtigste Wahrzeichen Bad Godesbergs ist-vor Redoute und Godesburg. Ohne das Heilwasser hätte Kurfürst Max Franz die Stadt nicht zum Badeort ausgebaut.

Ferdinand Wurzer hatte 1789 erstmals in einem Gutachten die Zusammensetzung und Heilwirkung des Mineralwassers analysiert. Chemiker und Mediziner haben in den folgenden Jahrhunderten die Grundaussage Wurzers immer wieder bestätigt. Heute übernimmt das Institut Fresenius die Analyse des Godesberger Brunnenwassers.

Das Besondere am Godesberger Wasser: Es enthält viel Eisen, das so gelöst ist, dass es direkt ins Blut transportiert werden kann. Hydrogenkarbonat hilft bei Magenbeschwerden – eine Wirkung, die schon Wurzer beschrieben hatte. Das Mineralwasser ist vom Typ Natrium-Hydrogenkarbonat-Chlorid-Säuerling, so die fachliche Beschreibung.

Seit 2015 darf die Stadt Bonn für die Draitschquelle wieder den Titel staatlich anerkannte Heilquelle führen – pünktlich zum 225. Jahrestag der Eröffnung. Die Kölner Bezirksregierung hatte den Brunnen überprüft und im Sinne des Landeswassergesetzes als Heilquelle anerkannt,

 

 

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