VHH Bad Godesberg
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Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V.

Seine Arbeiten kamen bei allen an

Godesberger Martin Frey setzte ab den 1950er Jahren in Bonn Akzente mit Fassadenskulpturen

(17. März 2017 General-Anzeiger Bonn)

VON EBBA HAGENBERG-MILIU

BAD GODESBERG. Ob die Bewohner an der Dromersheimer Straße überhaupt noch hoch über die Eingänge der Häuser l und 6 blicken? Dort, wo an der Front der dreigeschossigen Bauten das Licht-, Schatten- und Farbenspiel einer Mondlandschaft stattfindet und wo stilisierte Vogeleltern im Nest ihre Brut schützen? Oder ist die Kunst am Bau in dieser Straße schon so zum gewohnten Friesdorfer Lebensumfeld geworden, dass sie nur noch von Neuankömmlingen wahrgenommen wird?

Genau das dürfte letztlich aber auch das Ziel dieser Auftragsarbeiten von 1957 gewesen sein: Der heimische Künstler Martin Frey sollte die Mehrfamilienhäuser mit Fassadenplastiken bestücken, die die Stirnwand der vorspringenden Treppenhäuser von der Haustür über die zweite Etage bis zur Dachrinne einnehmen – und sich in den Köpfen der Bewohner verankern. Esther Schumacher hat für die Godesberger Heimatblätter diesem und einigen anderen Denkmälern im Ortsteil Friesdorf nachgespürt.

Seine Arbeiten waren stilistisch zeitgemäß

Und dabei stellte sich heraus, dass der den älteren Godesbergern noch bekannte Martin Frey (1907-1991) für die beiden eindrucksvollen Fassadenskulpturen weitblickend lukrative Aufträge hereingeholt hatte. Der in Sankt Augustin-Menden geborene Maler, Grafiker und Plastiker war nach dem Zweiten Weltkrieg als freischaffender Künstler auf gut bezahlte Arbeiten angewiesen. Seine Entwürfe schmückender Bauplastik, von Wandgestaltungen, Glasfenstern, Reliefs, Mosaiken und Metallskülpturen kamen gut an. Sie waren stilistisch zeitgemäß, aber nicht avantgardistisch. Sie waren integrativ und für alle Bevölkerungsschichten akzeptabel, wie es die Literatur über den Godesberger, der bis zum Lebensende in seinem Pennenfelder Atelier arbeitete, verzeichnet.

Der Mann mit dem dichten, in seinen letzten Lebensjahrzehnten schneeweißen Schnäuzer fuhr in Bonn und da besonders in seinem Wohnort Bad Godesberg Erfolge ein. Neben den beiden Friesdorfer Fassadenplastiken setzte Frey 1957 auch in der Bonner Weststadt eine Bauplastik „Harfe“ in den Kreuzbergweg. 1959 gestaltete Frey den Eingangsbereich der Friesdorfer Stadtsparkasse, I960 den „Fischbrunnen“ in der Marienburger Straße in Tannenbusch und 1963 die Bauplastik „Palette“ in der Matthias-Grünewald-Straße nahe dem Hochkreuz. 1967 kam noch das Werk „Raumplastik“ an der Honnefer Straße 31 in Lannes-dorf und, undatiert, das „Spielplatztier“ in der Duisdorfer Karl-Leisner-Straße hinzu. Immer sei eine Reduktion auf wesentliche Elemente zu bemerken, urteilt Esther Schumacher. Freys abstrahierende Werke deuteten die gegenständliche Form auf bald spielerische bald symbolhaft beziehungsreiche Weise. So wie bei der Mondlandschaft in der Dromersheimer Straße l in Friesdorf. Das Mosaik aus rechteckigen Glas- und Keramikplättchen ist vom Künstler zu geometrischen Mustern und abstrakten Formen angeordnet worden, die auf Flächen sitzen, die dem Betrachter ähnlich wie die Pixel eines Fotos oder die Punkte in einem impressionistischen Gemälde erscheinen. Zart-gelb öffnet sich die Mondsichel in eine Kreisfläche, die von leuchtendem Blau umgeben ist. Hatten die ersten Bewohner in den 1950er Jahren hier in der Friesdorfer Siedlung nach den Schrecken des Weltkriegs nicht Unterschlupf in einer neuen, beruhigenden Lebenswelt gefunden? Und die schien zudem noch die Wärme eines geschützten Nestes zu bieten, wie es die zweite Fassadenplastik Freys über dem Eingang des Hauses Dromersheimer Straße 6 andeutet. Der Jungvogel in der Mitte der abstrahierten Fassadenskulptur scheint sich hier in Friesdorf pudelwohl zu fühlen. Ist es nicht fast so, dass er lächelt?

> Demnächst beim Heimatverein erhältlich: die Godesberger Heimatblätter, Band 54, darin auch der Beitrag von Esther Schumacher über „Artwege – Kunst im öffentlichen Raum in Friesdorf“.

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