VHH Bad Godesberg
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Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V.

Schmiedekunst made in Godesberg

Heimatforscher Horst Heidermann hat die Geschichte des Familienbetriebs Gernhard aufgearbeitet

(15. Februar 2017 General-Anzeiger Bonn)

VON EBBA HAGENBERG-MILIU
BAD GODESBERG. Durch das riesige, prächtig geschmiedete Tor an der Kurfürstenallee ist der Eingang der Redoute zu sehen, dieses einstige Ballhaus, das auch in Hauptstadtzeiten noch gekrönte Häupter betraten. Die Politprominenz kommt heute noch zu Empfängen des Internationalen Clubs La Redoute. Aber leider öffnet sich direkt am „Redüttchen“ nur noch selten dieses erhabenste der drei Tore, von dessen Bekrönung das Godesberger   Wappen   heruntergrüßt. 1925 war das klassizistisch wie die Redoute gehaltene Tor als Haupteingang   bei der   lokalen Kunstschmiedefirma Gernhard in Auftrag gegeben worden. Und zwar aus Anlass der Tausendjahrfeier der Rheinlande. Die Firma ließ in diesen Monaten verlauten, dass sie wegen der Fertigstellung weitere Aufträge erst mal nicht annehmen könne, hat der Heimatforscher Horst   Heidermann recherchiert. Mit ihrem damaligen Chef Gottlieb Gernhard schwitzten alle Mitarbeiter genug bei der kräfteraubenden Arbeit mit Amboss, Schmiedehammer und Zangen.

„In der Bau- und Kunstschlosserei Jean Hesseler hat Gernhard die Meisterprüfung abgelegt“ Horst Heidermann Heimatforscher

Einen Einblick in die Werkstatt des Familienunternehmens zeigt ein Foto von 1908. Da studiert vorne mit der großen Schmiedeschürze der schnauzbärtige Gründer Georg Gernhard (1860-1943) die Pläne, während seine Söhne mit den Angestellten Feinarbeiten für einen gerade zu fertigenden Kandelaber ausführen: Neben Georg Gernhard hämmert, frisch ins Bild schauend, Gottlieb (1889-1967). Im Hintergrund arbeiten unter einem schon fertigen Kandelaber Johann, auch Jean genannt (1882-1962), und Carl (1892-1964). Alle drei sind da­mals beim Vater in der Ausbildung gewesen. Georg war 1878 aus Schäftersheim im Main-Tauber-Kreis nach Godesberg gekommen und hatte wie etwa auch der Dekorationsmaler Louis Ziercke im aufstrebenden Städtchen eine Anstellung bekommen. Und zwar beim Bau- und Kunstschlosser Jean Hesseler, wo Gernhard auch die Meisterprüfung ablegte.

1884 machte er sich selbstständig, fand mit seiner Frau Helene eine Wohnung mit Werkstatt erst in der Villichgasse, dann in der Molkestraße 25 und schließlich, als die Auftragsgeschäfte gut liefen, an der Ecke Moltkestraße-Bürgerstraße, wo heute das Kinopolis steht. Gernhard hatte sich inzwischen einen überregional guten Ruf erarbeitet. Er arbeitete hauptsächlich für außerhalb. Aufträge etwa von Alexander Koenig führten ihn nach Schwerin. Für den preußischen Staat arbeitete er in Koblenz, hat Horst Heidermann herausgefunden. 1905 hatte die Werkstatt eine Goldmedaille und einen Großen Preis auf einer Ausstellung von Kunst und Handwerk in Brüssel erhalten. Das Geschäft brummte. Die Söhne machten zusätzliche Aus-bildungen als Ingenieure. Und man kam auch durch die Weltwirtschaftskrise und den Zweiten Weltkrieg.

1943 war Gründer Georg hochbetagt gestorben. Die Kinder hatten die Firma längst übernommen. 1959 wurde noch der 75. Geburtstag gefeiert. Doch nach dem Tod Gottlieb Gernhards wurde das Unternehmen in den 1960er Jahren in eine KG umgewandelt. Und da fragt sich natürlich, wo in Bad Godesberg außer an der Redoute noch Schmiedekunst der Gernhards verblieben ist. Heidemann hat sichere Angaben nur noch von einem Haus in der Augustastraße, das Johann Gernhard 1950 bauen ließ und Tochter Anneliese, eine Oberstudienrätin, nach ihrem Tod 2015 dem Verein für Heimatpflege vermachte.

Einige Meisterstücke von Jean und Gottlieb Gernhard, Gitter, Kerzenständer und Lampenfüße, sind dort zu finden. Die Kunstgeschichte hat über die Werke des Familienbetriebs jedenfalls äußerst positiv geurteilt: „Alle Arbeiten zeugen von einem dominierenden Gestaltungswillen, der die einzelnen Stilelemente zu einem Gesamtwerk und in einer überdurchschnittlichen Qualität vereint.“

> Demnächst beim Heimatverein Bad Godesberg erhältlich: Die Bad Godesberger Heimatblätter Band 54, darin auch der Beitrag von Horst Heidermann.

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