VHH Bad Godesberg
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Verein für Heimatpflege und Heimatgeschichte Bad Godesberg e.V.

Die Römer brachten den Wein

Pia Heckes berichtet beim Rundgang durch Muffendorf
über den Weinanbau

(5. August 2016 General-Anzeiger Bonn)

VON MICHAEL WENZEL
MUFFENDORF. Mit dem Thema „Weinanbau in Muffendorf“ hatte sich der Godesberger Heimatverein am Mittwochabend ein besonderes Schmankerl für seine Sommerführungen ausgedacht – und landete einen Volltreffer. Mehr als 50 Teilnehmer nahmen an der von Pia Heckes geleiteten Veranstaltung teil, besuchten gemeinsam den Siegburger Hof und kosteten zum Abschluss im Kelterhaus noch ein Gläschen des Muffendorfer Rotweines, Jahrgang 2012.

Möglich gemacht hatte dies die Eigentümerin von Siegburger Hof und Kelterhaus, Irene Diederichs, „deren Familie sich für das Wiederaufleben der alten Weinkultur entscheidend eingesetzt hat“, wie Martin Ammermüller, Vorsitzender des Heimat- und Geschichtsvereins bemerkte. Ausnahmsweise öffnete Diederichs ihr Anwesen gegenüber der Kirche Alt-Sankt Martin und lud anschließend in die alte Kelter, die dieses Jahr 150 Jahre alt wird.

„Die Römer brachten uns den Wein“, berichtete Heckes. Erste Nachweise am Rhein stammten aus dem4. Jahrhundert, im 6. Jahrhundert nach Christus, da sei der Weinanbau bereits sehr weit gediehen. „Der früheste Nachweis des Weinbaus in Muffendorf existiert in einer Urkunde des Erzbischofs Arnold II. von 1156/58. Darin werden Pfründe aus Muffendorf erwähnt, die unter anderem die Lieferung von acht Fudern Wein aus Muffendorf umfassten“, so Heckes. Um 1800 gab es in Muffendorf fünf Kelterhäuser – dies bei rund 550 Einwohnern.

„Bis weit ins 19. Jahrhundert hinein war der Weinanbau der bedeutendste Wirtschaftszweig in Muffendorf“, berichtete Heckes. Durch die Veränderung des Klimas im 18. und 19. Jahrhundert wurde es schwieriger mit dem Weinanbau. Im wahrsten Sinne des Wortes verhagelte das Wetter oftmals die Ernte. So mussten die Ernteausfälle kompensiert werden: Es entwickelte sich im 19. Jahrhundert der Obstanbau. „Bereits in den 1920er Jahren kam der Weinbau zum Erliegen“, so Heckes, „bis auf eine einzige alte mir bekannte Hausweinrebe, den Elbling, die im Innenhof der Gaststätte »Zur Post«in der Muffendorfer Hauptstraße erhalten geblieben ist.“

Wieder belebt wurde die alte Winzertradition von Irene Diederichs und ihrem vor zehn Jahren verstorbenen Ehemann Robert Jahr für Jahr sind 14 Freundinnen von Diederichs bei der Weinlese am Muffendorfer Klosterberg mit dabei. Eine davon ist auch Edith Müller, die ebenfalls zu den Teilnehmern des Rundgangs gehörte. „Ich bin eigentlich immer bei der Weinlese mit dabei. Ich mag gerne trockene Weine, deshalb mundet mir auch der Jahrgang 2012 besonders gut“, sagte sie lachend.

Zum Abschluss des Rundgangs konnten sich die Teilnehmer im Keller des Kelterhauses von der Qualität des Muffendorfer Weines überzeugen. „Ein sehr guter Wein“, lobte Heckes. Und Irene Diederichs sprach über den 2012er als ihrem „Lieblingsjahrgang“. Mit dem Regent verfügen die Muffendorfer mittlerweile auch über eine sehr resistente Sorte. Circa 2000 Flaschen werden pro Jahr für den Eigenverbrauch produziert, die dann beispielsweise bei der „Muffenale“ zum Einsatz kommen. „Es macht mir viel Spaß, den Muffendorfern damit eine Freude zu machen“, meinte Irene Diederichs. Das bestätigte auch Teilnehmerin Ulrike Kroger aus Muffendorf bei der Weinprobe: „Ein sehr guter Wein, ich bin positiv überrascht.“

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